Gustav Schneider-Texier: Die Freiheit ist das höchste Gut

Gustav Schneider-Texier: Die Freiheit ist das höchste Gut

Gustav Schneider-Texier. Das Ärztehaus am Heilig-Geist-Hospital trägt den Namen des Binger Ehrenbürgers da seine Stiftung einen Teil des Baus realisiert hat.

Er war aufgeschlossen, großherzig und für viele Binger*innen ein guter, verantwortungsvoller Vorgesetzter.

Am 8. Dezember 1980 wurde ihm die Binger Ehrenbürgerwürde verliehen.

-

OB Erich Naujack verleiht Gustav Schneider-Texier die Binger EhrenbürgerschaftAls innovativer, charismatischer, kommunikativer aber auch gleichermaßen karikativer Mann ist Gustav Schneider-Texier den älteren Binger*innen ein Begriff. Heute vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1980, wurde der damals 75jährige von der Stadt Bingen mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Schneider-Texier war ein Unternehmer par excellence und er hätte sicherlich zustimmend gelächelt, wenn man ihn als echten Entrepreneur bezeichnet hätte. Dieser französische Fachbegriff für einen innovativen, zukunftsorientierten Unternehmer hätte ihm sehr gut gefallen.

Obwohl das eine oder andere über ihn publiziert wurde, blieb in den bisherigen Veröffentlichungen über den Menschen Gustav Schneider-Texier und seine Vita vieles im Dunkeln. Die Berichte beziehen sich auf einzelne Gegebenheiten in der Nachkriegszeit oder thematisieren seine in Bingen fast legendäre Freundesrunde im Scotch Club, was aber seiner Persönlichkeit und seinem Lebenslauf bei weitem nicht gerecht wird.  

Seine Freunde durften ihn „Bobby“ nennen. Geboren wurde er als Gustav Wilhelm Johann Schneider am 29.11.1905 in Frankfurt am Main in der Wielandstraße 20, dem Frankfurter Nordend. Geschwister gab es nicht. Sein Vater Wilhelm Schneider besaß in Frankfurt eine Metzgerei. Zur Mutter Emma Schneider geb. Alber ist nichts Näheres bekannt. Die Eltern wurden in Calw geboren.

Wieso Spirituosen?

In Oxford und bei Johnny Walker

Nach dem Abitur studierte er in Oxford. Einer der Kommilitonen war der Sohn des Inhabers von Johnny Walker. So kam es, dass er während der Semesterferien in der schottischen Distillery arbeitete und an der Tätigkeit so großen Gefallen fand, dass er nach einigen Semestern das Studium abbrach und sich bei Johnnie Walker ausbilden ließ. Aus jener Zeit stammt wohl auch der Spitzname „Bobby“. Danach zog es ihn für rund 10 Jahre nach Frankreich in die Gegend von Cognac und Bordeaux. Dort gab es bereits seit 1850 in Jarnac die Destillerie von E. Texier. Durch die Aufenthalte in den beiden Ländern sprach er fließend englisch und französisch.

In Jarnac und Bingen

Während seines Aufenthaltes in Frankreich waren in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen und die Situation für jüdische Geschäftsleute war zunehmend prekärer geworden.

Die Binger Brennerei Texier bestand seit 1887 in der Gaustraße 21-25 befand sich zunächst im Besitz von Max Michel, dann von Oscar Mayer. Letzterer zog sich 1936 aus dem Unternehmen zurück, da er wegen des antisemitischen Repressalien auf ihn als jüdischer Binger keinen anderen Ausweg mehr sah. Die Binger Firma wurde unter Sequester (Treuhänderschaft) gestellt und die französischen Inhaber bestellten einen Geschäftsführer (Homme de Paille). Oscar Mayer und seine Familie zogen nach Frankfurt und emigrierten 1938 nach Nordamerika.

Gustav Schneider lebte damals seit einigen Jahren in Bordeaux und war Export-Direktor eines Bordeaux-Handelshauses. Als die französischen Anteilseigner einen Leiter für das Binger Haus suchten, fiel die Wahl auf ihn. „Seine Kenntnisse des deutschen Spirituosen-und Weinmarktes, sowie die Erfahrung aus seinen Reisen in die Ostgebiete waren eine willkommene Voraussetzung für diese Tätigkeit. Das Geschäft entwickelte sich für die damaligen Verhältnisse sehr gut und sehr erfolgreich“ heißt es in den Aufzeichnungen eines späteren Weggefährten von Gustav Schneider [1]. So kam er nach Bingen, leitete fortan das Unternehmen und übernahm später die Anteile von Oscar Mayer. Alles deutet darauf hin, dass er sich in der Stadt am Rhein-Nahe-Eck schnell einlebte und wohl fühlte.

Wieder in Cognac

1939 begann der 2. Weltkrieg. Kurz nach Kriegsbeginn ereilte ihn die Einberufung zur Wehrmacht. Er durchlief die Offizierslaufbahn bis zum Hauptmann. Seiner hervorragenden französischen Sprachkenntnisse wegen wurde er zu einer Dolmetscherkompanie abkommandiert und rückte 1940 in Frankreich ein.

-

Nach der französischen Kapitulation erfolgte seine Versetzung nach Cognac, in jene Region, wo er noch 5 Jahre zuvor gelebt und gearbeitet hatte. Als Beauftragter des Reichsnährstandes hatte er für die Lieferung von Cognac sowie Brennweinen nach Deutschland zu sorgen.

Trotz allem Unmut über die deutsche Besatzung erfreute sich Gustav Schneider in Cognac einer gewissen Beliebtheit, denn er versah seine Aufgabe „in einem vernünftigen Rahmen“ wie es in den Unterlagen heißt. Er sprach in späteren Jahren davon, dass es immer wieder ein Balanceakt für ihn gewesen war. Denn auf der einen Seite musste er seiner Aufgabe als Beauftragter der Reichsregierung gerecht werden und genügend Cognac abliefern und in Fremdländer gegen Devisen exportieren, [2] auf der anderen Seite war es sein persönliches Anliegen, dass die betroffenen Winzer noch ein Auskommen hatten. Auch einen Teil der alten Destillate habe er bewusst geschont. [1] Die Gradwanderung ist ihm offensichtlich gelungen.

Dass er nach dem Rückzug der deutschen Wehrmacht nicht in französische Kriegsgefangenschaft kam, habe er den Führern des französischen Widerstands in Cognac zu verdanken, die für ihn gebürgt hätten. [3] Dies erscheint glaubhaft, denn in einem in Cognac in den 1990er Jahren erschienenen Buch „… werde Gustav Schneider als korrekter, ja sogar hilfreicher Besatzer geschildert“ [1]. Nach dem Einzug der Alliierten habe man ihm von französischer Seite persönlichen Schutz angeboten. Er könne weiter in Frankreich bleiben und dort arbeiten. Dies wäre auf Grund der französischen Teilhaberschaft an der Firma Texier durchaus möglich gewesen. Doch ihn zog es nach Bingen zurück. Dort hatten inzwischen seine Eltern Zuflucht gesucht, die in Frankfurt ausgebombt wurden. Durch seine guten Kontakte wusste er wohl, dass das Firmengelände in der Gaustraße ein total zerstörtes Trümmerfeld war.

Inoffiziell Cocktailmixer im Offizierskasino im Kriegsgefangenenlager in Texas

Gustav Schneider-Texier hatte ausgezeichnete Menschenkenntnisse und eine empatische ArtGegen Kriegsende entschied er sich nach Bingen aufzubrechen. Der genaue Termin ist nicht festgehalten, aber es war auf jeden Fall zu früh wie sich schnell für ihn herausstellte. Sein mit Cognacflaschen vollgepacktes Auto wurde noch vor der Grenze von einem Tiefflieger entdeckt und getroffen. Er konnte sich unverletzt retten, aber das Auto war zerstört. Bei dem Versuch, sich weiter nach Bingen durchzuschlagen, geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde in ein Gefangenenlager in Texas/USA gebracht. Da er politisch unbelastet war, wurde er 1946 oder 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und in die amerikanische Besatzungszone nahe Wiesbaden überstellt. Die US-Amerikaner hätten ihn dort gerne als Landrat eingesetzt, was aber nicht seiner Intention entsprach. Eine Weiterreise in die Französische Besatzungszone war für Deutsche damals nicht möglich. Dank eines glänzenden Husarenstücks gelang es ihm schließlich doch nach Mainz und weiter nach Bingen zu kommen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz schaffte er es dort, das Geschäft auf einem niedrigen Niveau wieder anlaufen zu lassen. Notdürftig wurde ein Büro hergerichtet und die Abfüllung der Flaschen fand einen Platz im Garten.  

Im Oktober 1948 kam es zur Deblocage und nun durfte auch endlich wieder die Destillation beginnen.

Ausbau der Brennerei Texier

„Auf Grund einer Entscheidung der Commission Interministérielle des Restitutions, Paris, am 29.3.1949 musste der Fachverband der Weinbrennereien der französischen Zone, Mainz, einen Gesamtbetrag von DM 160.000,00 für solche Mitglieder entrichten, die nach dem Kriege noch Bestände an Waren hatten, die während des Krieges in Frankreich unter der Deutschen Besatzung von der Reichsstelle, Berlin, ordnungsgemäß gekauft und bezahlt worden waren. Unser Anteil betraf DM 5.296,00 für eine Warenmenge von 2.859 Ltr. R. A. französische Weindestillate.
Bingen am Rhein, den 25.9.1951 [Unterschrift Gustav Schneider]
(Quelle: Landesarchiv Koblenz, Best. 950, Nr. 10030)

Mit Texier fühlte er sich so stark verbunden, dass er eine Namensänderung beantragte und ab 24. Juli 1956 den Familiennamen Schneider-Texier trug.

In den Nachkriegsjahren war es der Beliebtheit des Weinbrands Texier zu verdanken, dass die Räumlichkeiten in der Gaustraße zu klein wurden. Mit seinen Erfahrungen aus Cognac hatte Gustav Schneider-Texier dessen Qualität ständig optimiert. So galt die Qualität „Texier XO“ als absolutes Spitzenprodukt für besonders anspruchsvolle Connaisseurs.

In den 1950er Jahren wurden von den früheren Eigentümern, der in die USA emigrierten Familie Mayer, Restitutionsforderungen geltend gemacht. Nach Verhandlungen die vom beauftragten Maitre Rabinovich geführt wurden, kam Otto Mayer, der Junior der Firma Oscar Mayer persönlich nach Bingen. Der Besuch endete mit einer gütlichen Einigung.

Ein sehr repräsentativer Bau

Der für damalige Zeit sehr moderne Bau an der Mainzer Straße unterhalb der RochuskapelleNachdem die Restitutionsforderungen geregelt waren, traf Gustav Schneider die weittragende Entscheidung: Die Errichtung eines Neubaus in der Mainzer Straße 152-160.  Nachdem dieser 1959 bezogen wurde kamen aus ganz Deutschland Besucher angereist, um den rot geklinkerten Komplex zu besichtigen. Die von Professor Neuffert konzipierte Firmenanlage galt als wegweisendes Beispiel für die zukünftige Büro-/ Produktionsgebäude-Architektur. Der große Schriftzug „Weinbrand Texier“ auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes leuchtete in blau und rot weit hinüber in den Rheingau.

Schneider Import – Eine deutsche Top-Adresse für Spirituosen

Zielstrebig ging Gustav Schneider-Texier nun daran, einen Traum zu realisieren und eine Vertriebsschiene für internationale Spirituosen aufzubauen. So kam es zur Gründung der Importfirma Gustav Schneider & Co. Auf einem handgeschriebenen Zettel hatte er bereits in der texanischen Gefangenschaft notiert, welche Marken er für sein Portfolio gewinnen wollte. Die ersten Marken waren Rémy Martin, Cointreau, Cordial Medoc Liqueur und Croft Port. Bald kamen John Haig Scotch, Dimple Scotch, Veuve Clicquot Champagner, Izarra Liqueur, Bobadilla Sherry und Beefeater Gin hinzu.

„Die französischen Freunde, deren Vertretung wir in Deutschland bereits hatten, sahen rechtzeitig die Entwicklung des bevorstehenden Wirtschaftswunders in Deutschland und waren bestrebt, sich an dem Geschäft in Deutschland zu beteiligen. So kam es zu der Neugründung der SCHNEIDER-IMPORT GmbH & Co. KG, deren vier Gesellschafter die Firmen Texier (Gustav Schneider-Texier), Bingen; Rémy Martin, Cognac; Cointreau, Angers und Izarra, Bayonne, waren. Die vertragliche Regelung sah eine Gleichberechtigung der Inhaber vor, jedoch hatten die französischen Freunde ein doppeltes Stimmrecht, wenn es um Fragen der Absatzorganisation ging“. [1]

Marken wie John Power Irish, Warninks Advokat, Cockburn’s Port, Captain Morgan Rum, Seagrams VO und Seagrams Seven Crown, Yago Sangria, Harveys Sherry und weitere komplettierten später das Verkaufsprogramm.

Eintrag im Gästebuch der Firma Texier, 1950er JahreHinzu kam der große Erfolg im Duty Free Geschäft mit der Tochterforma Hermann Joerss, die in maritimen Absatzkanälen und bei den Airlines sehr erfolgreich agierte und „zu einer Perle des gesamten Geschäfts wurde [1], wie Geschäftsführer Ludwig Vierthaler notierte. Zum Vertriebsprogramm von Joerss für den Duty Free Bereich gehörten auch die Zigarettenfirma Philipp Morris, erlesene französische Parfümmarken sowie Accessoires bekannter Haute Couture-Firmen.

In den 1970er Jahren zog sich Gustav Schneider-Texier zwar Stück für Stück aus dem Tagesgeschäft zurück, das nun von Dr. Max-Gerhard Reichardt als Geschäftsführer geleitet wurde, aber alle wichtigen Entscheidungen lagen weiterhin bei ihm. Mit Peter Lauxen übernahm einer der damals in Deutschland noch raren Marketingfachleute diesen Bereich. Horst Kreft fungierte mit viel Geschick als Vertriebsleiter und Peter Partes wurde Finanzchef. In wenigen Jahren entwickelte sich das Unternehmen Schneider-Import zur erfolgreichsten deutschen Wein- und Spirituosenfirma.

Wieso gibt es sie heute nicht mehr?

Die Firma boomte, als Schneider-Import im Jahre 1982 in den Strudel von Erbschafts-Auseinandersetzungen der verschwägerten französischen Gesellschafter Cointreau (Familie Max Cointreau) und Rémy Martin (Familie Heriard-Debreuil) geriet, an deren Ende Rémy Martin als Gesellschafter ausschied und Schneider-Import damit auch die Marke Rémy Martin verlor. Cointreau machte von einem Vorkaufsrecht Gebrauch und übernahm nicht nur die Anteile von Remy Martin, sondern auch jene von Gustav Schneider-Texier. Als Folge gab es bei Schneider-Import eine Umstrukturierung und neue Marken ergänzten das Verkaufsprogramm.

1987 entschied sich Cointreau, in Deutschland ein Joint Venture mit der Firma Cinzano einzugehen, um Synergien zu bündeln. Ein harter Schlag für die Mitarbeiter, denn nach einer Übergangszeit in Bingen stand fest, dass das neue Joint-Venture-Unternehmen mit dem Namen Weltmarken nach Wiesbaden umzieht. Das Firmengelände in Bingen wurde an die Boehringer Ingelheim Backmittel verkauft und ist heute Sitz der Firma CSM (MeisterMarken, Ulmer Spatz). Nur ein kleinerer Teil der Binger Mitarbeiter folgte dem Umzug nach Wiesbaden. Andere suchten sich lieber eine neue Stelle. Ein Sozialplan federte die Kündigungen ab. Die Texier-Destillate und die Markenrechte wurden an Dritte verkauft. Den neuen Besitzern gelang aber kein Comeback.

Die Schneider-Texier-Stiftung

Mit dem Verkauf der Firmenanteile zog Gustav Schneider-Texier von seiner Wohnung im Seitentrakt des Texier-Gebäudekomplexes in ein Haus in der Rochusallee. Testamentarisch hatte er festgelegt, dass das Vermögen nach seinem Tod (21. Dezember 1994) in eine Stiftung fließt, der Peter Partes vorstand, der in den Jahren zuvor sein Vermögen verwaltete. Bereits zu Lebzeiten war Gustav Schneider-Texier ein Mäzen des Binger Krankenhauses. Gemeinsam mit Dr. Baptist Rößler entwickelte sich 1997 die Idee, Schneider-Texier mit dem geplanten neuen Ärztehaus ein Denkmal und Vermächtnis gleichermaßen zu setzen. Mit einer Million Euro wurde die Baumaßname von der Schneider-Texier-Stiftung gefördert, die heute den Namen Schneider-Texier-Haus trägt. Seitdem wurden weitere Projekte unterstützt. Stellvertretend für viele sei hier das Spielschiff auf dem Spielplatz in der Hindenburganlage erwähnt.

Der Chef

Gustav Schneider-Texier beim Tanz, vermutlich Ende der 1950er JahreDen Ausgleich fand Gustav Schneider-Texier auf seiner Jagdhütte im Binger Wald. Wenn es die Termine zuließen, war er jedes Wochenende dort und in späteren Jahren auch an auch manchem Wochentag. Er pflegte einen rationalen, sehr effektiven Arbeitsstil. Seine Entscheidungen waren im Vorfeld stets gut vorbereitet und sehr oft in der Jagdhütte in Ruhe gereift. Wenn er von der Wohnung im Seitentrakt des Firmengebäudes zu seinem am Ende des langen Flurs liegenden Büros im Verwaltungstrakt ging, sprach sich seine Anwesenheit in Windeseile herum. War jemand in Hörnähe seiner Bürotür, dann war auch das charakteristische Plopp beim Schließen der schweren Tür ein Zeichen, dass er im Büro war. Nun mussten sich alle darauf einstellen, dass sie zu ihm gerufen wurden und er den Stand der Dinge abfragte. Bei den Bereichsleitern wanderten die Unterlagen mit den aktuellen Daten zu Umsätzen, Lagerhaltung, Importe, Brennweindaten in Greifnähe, um die Zahlen bei Abruf parat zu haben. Das war es, was er von den Mitarbeitern erwartete. Jeder musste seinen Job im Griff haben und immer, man würde heute sagen, up to date sein. Das war sein Anspruch. Nachlässigkeiten ließ er nicht durchgehen. Dabei war er gleichzeitig durchaus nahbar und auch jovial im Umgang mit den Mitarbeitern. Diese berichten im Rückblick, dass ihm eine sehr gute Menschenkenntnis zu eigen war und er mit seinen Einschätzungen wohl immer richtiglag. Das Betriebsklima sei sehr gut gewesen und man habe in dem Unternehmen einen für die damalige Zeit geradezu modern-offenen Umgang untereinander gepflegt. Das Unternehmen galt als sehr renommierter Arbeitgeber in Bingen. Eine Stelle bei Schneider-Import/Texier zu bekommen empfanden die Mitarbeiter als eine Art berufliche Auszeichnung, auf die sie stolz waren.

Der Mäzen

Gustav Schneider-Texier auf der Anuga (Allgemeine Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung)Schneider-Texier unterstützte Vereine, Organisationen und Parteien und machte dabei keinen Unterschied zwischen Religionen oder politischer Orientierung (der drei großen Parteien). Er spendete auch für die Rochuskapelle und hier besonders für die Erneuerung der Glocken. „Auch als die Finanzkraft durch die Erstellung des neuen Firmengebäudes und weiterer Investitionen eigentlich ausgeschöpft war, ging ein Abgesandter aus Israel, der um Unterstützung für eine neu zu erstellende Universität bat, nicht mit leeren Händen zurück“ [1] notierte Ludwig Vierthaler.

 Auszeichnungen und Ehrenämter

Gustav Schneider-Texier erhielt zahlreiche Auszeichnungen und engagierte sich in vielen Ehrenämtern. Unter anderem war er Mitglied im Stiftungsrat des Heilig-Geist-Hospitals, war Verwaltungsrat der Kreissparkasse und Senator des Binger Karneval Vereins.

Am 16.12.1968 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und am 27.12.1976 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1980 wurde er Ehrenbürger der Stadt Bingen, nachdem er bereits 1971 mit dem Wappenteller und 1977 mit dem Stadtsiegel in Gold ausgezeichnet worden war. Er war Präsident der IHK Bingen und nach der Zusammenlegung Vizepräsident der IHK Mainz-Bingen. Sehr stark engagierte er sich in der deutsch-französischen Handelskammer und der deutsch-französischen Freundschaft, unterhielt Kontakte in die Grafschaft Herfortshire (Hitchin) und förderte den deutsch-jugoslawischen Handelsaustausch.


Übrigens

Diese Ausarbeitung basiert vor allem auf den Erinnerungen Peter Partes, die nun auch Teil des Stadtarchives sind. Sie basieren auch auf weiteren Erinnerungen von Ludwig Vierthaler und Marliese Tabarelli. (Siehe unten unter „Quellen“)

Waren Sie auch Mitarbeiter*in bei Schneider-Import, haben Erinnerungen, Anekdoten, Fotografien und weitere Erinnerungen und möchten sie dem Stadtarchiv und damit dem Gedächtnis der Stadt vermachen? Bitte melden Sie sich gerne – klicken Sie hier, um eine E-Mail zu senden.

Zu ihm ist auch eine Biografie unter der Sparte Ehrenbürger*innen erschienen: Gustav Schneider-Texier.


Quellen

[1] Ludwig Vierthaler, Geschäftsführer der Firma Joerss, Stellvertretender Geschäftsführer Schneider-Import GmbH, Prokurist der Firma E. Texier & Cie. Notiz vom 18. Mai 2000.

 [2] Peter Partes, Prokurist, Finanzchef und Geschäftsführender Direktor sowie Vorstandsvorsitzender der Gustav Schneider-Texier-Stiftung bis zum Jahre 2008 und Vertrauter von Gustav Schneider-Texier besonders in der Zeit seiner Tätigkeit für die Stiftung. In einem ausführlichen Telefoninterview gab er an das Stadtarchiv viele Details weiter, die er sowohl von Gustav Schneider-Texier persönlich erfahren hatte, als auch aufgrund seiner gehobenen Stellung als Finanzchef von Schneider-Import.

[3] Marliese Tabarelli, Mitarbeiterin bei Schneider-Import. Wiedergabe einiger Details stammen aus Erzählungen des Einkaufsleiters Ludwig Braun, der zur Skatrunde von Gustav Schneider-Texier gehörte sowie eigener Erlebnisse.

Weiterhin Unterlagen des Stadtarchivs, des Standesamtes und des Bürgerbüros.