Vom Sponheimer Hof zum City Center Bingen

Das Areal, auf dem das heutige City Center Bingen steht, hat eine wechselhafte Geschichte erlebt. Erstmals urkundlich fassbar wurde es 1344 durch den Verkauf des Binger Bürgers Wenzo an das Kloster Sponheim (zwischen Bad Sobernheim und Stromberg, östlich von Bad Kreuznach).

Für die künftigen Jahrhunderte erhielt der Gebäudekomplex den Namen Sponheimer Hof – wir erwähnten ihn in unserer Geschichte des vergangenen Monats.

Klösterlicher Besitz

Das Kloster Sponheim wurde zweimal säkularisiert und damit auch sein Besitz in Bingen: Zunächst 1556 im Zuge der Reformation und erneut 1802 durch den Frieden von Lunéville. Die zweimalige Säkularisierung wurde möglich, da das Kloster Sponheim nach dem 30jährigen Krieg (1618-1648) erneut gegründet wurde und in Besitz des Hofes in Bingen kam. Wer zwischenzeitlich den Hof bewirtschaftete, ist unbekannt.

Kaiserresidenz

Im linksrheinischen Gebiet wurden per Beschluss am 9. Juni 1802 alle kirchlichen Einrichtungen aufgehoben und gingen in französischen Besitz über. Gleichzeitig wurden die Güter versteigert oder direkt verkauft und so kam der Binger Jacob Gunst in den Besitz des Sponheimer Hofes. Just vom 9. Juni 1802 datiert ein Brief von Clemens Brentano an Friedrich Karl von Savigny, in dem er berichtet, er und Achim von Arnim seien gerade bei Gunsts im Sponheimer Hof. Die Einweihungsparty? Das können wir nicht dem Brief entnehmen.

Aber auch Kaiser Napoleon Bonaparte sowie der Zar Alexander I. besuchten Familie Gunst.

Weingut Meyer & Coblenz

Im späteren Verlauf des 19. Jahrhunderts ging der Sponheimer Hof in den Besitz eines Johann Philipp Hinckel über und 1869 an Simon Zacharias Coblenz über. Für das Weingut Meyer & Coblenz war es ideal, dass bereits das Kloster Sponheim den gesamten großen Bereich für die Weinlagerung unterkellert hatte. Die beiden Töchter des jüdisch gläubigen Ehepaars machten bald Karriere, wenngleich nicht in Bingen. Während Alice bereits nach ihrer Hochzeit mit Julius Bensheimer nach Mannheim zog, lebte Ida noch bis ein paar Jahre in dem neuen Binger Familienbesitz. 1901 heiratete sie Richard Dehmel und zog nach Blankenese bei Hamburg. Ida Dehmel und Alice Bensheimer, beide geborene Coblenz, gehörten ab dem frühen 20. Jahrhunderten zu den deutschlandweit bekanntesten Frauenrechtlerinnen. Beide starben jedoch während der NS-Zeit.

Städtisches Amtsgebäude 

Der Innenhof des städtischen Gebäudes. Wann das Foto gemacht wurde, ist unbekannt.1916 ging der Besitz an die Stadt Bingen über und wurde ein Amtsgebäude. Bis 1974 hatte hier die Stadtkasse, das städtische Weingut und auch die Bauschule ihr Zuhause. Außerdem wurden zwei kleine Gebäude an die Metzgerei Herwig und die Firma Thalisia verkauft oder vermietet.

Karstadt, Hertie, City Center

Dann wurde das gesamte und zum Teil schon baufällige Areal für den Bau eines großen Kaufhauses abgerissen: 1975 entstand hier das Karstadtgebäude, das später kurzzeitig ein Hertie wurde und 2013 erneut abgerissen und zum City Center wurde.

Im Bild: Wie Mitte 1970er Jahre der ehemalige Sponheimer Hof erstmalig ein Einkaufsmarkt wurde

Eine Fotoserie aus der Fotosammlung des Stadtarchivs Bingen zeigt die Entwicklung.

Die Stadtkasse einen Tag vor dem Abbruch 1974 mit Blick vom Hof an der Kirchstraße.

Zu dem städtischen Gebäudekomplex gehörte auch die Stadtkasse, 1974.

Ebenso das städtische Weingut mit seiner markanten Fassade.

Vor dem Abbruch:

Das städtische Amtshaus und Fa. Thalisia vor dem Abbruch, 1974 

Nach dem Abbruch:

Das städtische Amtshaus und Fa. Thalisia nach dem Abbruch, 1974

Das Foto zeigt die betroffene Häuserreihe, die vom Abbruch betroffen war. Dazu gehörte auch der Hinterhof des nun städtischen Gebäudekomplexes (siehe Innenhof vom Amtshaus oben).

Mit Blick vom Freidhof Richtung Innenstadt: Metzgerei Herwig, Firma Thalisia sowie das alte Amtshaus, das die Bauschule sowie das städtische Weingut und die Stadtkasse beherbergte.

Die vom Abbruch betroffenen Gebäude, 1974.

So sah das Areal 1974 nach dem Abbruch aus.

1974. Das ehemalige Areal des Sponheimer Hofes/Weinguts Meyer & Coblenz/städtischen Weinguts. Das Foto zeigt auch die alten Kellermauern

Dieses Foto zeigt den Baufortschritt des Karstadtkomplexes im Oktober 1975.

Das Karstadtgebäude im Oktober 1975.

Ein Blick von oben auf den neuen Karstadtkomplex zeigt die zahlreichen Wohnungen im Dachgeschoss mit ihrer für die damalige Zeit futuristischen Bauweise. 

Der Karstadt von oben mit Blick auf die Wohnungen im Dachgeschoss, 1978

Übrigens

Die Basilikastraße wie die komplette Innenstadt konnte zu diesem Zeitpunkt noch mit Autos befahren werden. Erst am 30. April 1977 wurde sie autofrei.

Die Binger Fußgängerzone am Tag ihrer Einweihung am 30. April 1977. 


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