Der alte, neue Nahekai

Der alte, neue Nahekai

Das Naheufer der Stadt Bingen 1902

Der Nahekai ist relativ menschenleer und die Nahe ruht. Ein idyllischer Blick auf den westlichen Rand der Gemeinde Bingen.

Doch der Blick trügt, denn er kurz zuvor musste wieder ein Kind aus dem Fluss gerettet werden, das auf den Flößen herumgetollt und das Gleichgewicht verloren hatte. Gott sei Dank konnte es schnell am Land gezogen werden, hatte nur etwas Wasser verschluckt und einen gehörigen Schrecken bekommen. Es ist ein Wunder, munkelt man, dass nicht mehr Menschen direkt in die Nahe fallen, weil kein Geländer an der Mauer befestigt ist.

Gut zehn Jahre ist es schon her, dass der Bereich zwischen Basilika und Nahe, zwischen den Gerbhäusern und der Drususbrücke geebnet und an der Nahe Platanen in einer Dreierreihe gepflanzt wurden. Und seit ein paar Jahren ist der Bereich planiert und mit einer Stützmauer versehen – ein großer Fortschritt, denn zuvor gab es immer wieder Beschwerden über die zahlreichen Schlaglöcher. In denen sammelte sich dann nach einem Regentag der Schlamm und wurde durch die Räder der Fuhrwerke auf die Seite gespritzt.

Bald soll Bingen eine elektrische Bahn bekommen. Das ist eine kleine Sensation für die aktuell – 1902 - gut 10.000 Personen zählende Gemeinde am Rhein- und Nahe-Eck. Der technische Fortschritt der letzten Jahre begeistert viele Menschen und verängstigt andere sehr. Während neues Holz auf die Sammelstelle gelegt wird und eine Kutsche auf der Straße entlangfährt, fragt man sich, wo das die nächsten Jahrzehnte noch hinführen mag, und schaut den Enten zu, die sich vom Strom der Nahe Richtung Rhein treiben lassen.