Sonderausstellung "Die Kaiserflüsterin"

Hildegard von Bingen und Friedrich Barbarossa – Fakten und Fiktionen

Sonderausstellung im Museum am Strom vom 18. September 2020 – 31. Oktober 2021

Die Kaiserflüsterin

Die heilige Prophetin und der legendäre Kaiser: Hildegard von Bingen und Friedrich Barbarossa zählen zu den Berühmtheiten des hohen Mittelalters, die - vor allem seit der Romantik des 19. Jahrhunderts – immer wieder die Fantasie der Menschen beschäftigen. Dementsprechend bunt wurde seither immer wieder ausgemalt, wie jene Begegnung dieser zwei „Superstars“ des 12. Jahrhunderts abgelaufen sein könnte, die vermutlich im Jahre 1163 in Ingelheim stattfand: So wurde in mancher Kirche seit Kulturkampfzeiten nach 1870 die Szene abgebildet, wie die Prophetin mahnend den Finger gegen Barbarossa erhob; galt es doch dem Kaiser in Berlin zu zeigen, dass sein vielberufener staufischer Vorgänger den Rat einer inspirierten Kirchenfrau sehr wohl zu schätzen wusste. Auch zahlreiche Romane führen uns vor Augen, was jene geheimnisvolle Vision beinhaltet haben mag, von der Barbarossa später dann in einem Brief an die Prophetin berichten sollte. Und zwei neuere Kinofilme lassen diese Szene gar in Breitband und HD lebendig werden: einmal mit einem schon zur Karikatur verkommenen Kaiser Rotbart, der nur (Schach) mit der Prophetin spielen will (von Trottas „Vision“), und im anderen Fall geht es um den teutonischen Invasor, dem Hildegard seine Niederlage gegen tapfere lombardische Bauern prophezeit (Renzo Martinellis „Barbarossa“). Natürlich sind beide Filme (Ausschnitte) in der Ausstellung zu sehen, und auch die literarische Verarbeitung des Themas wird den Besucher/inn/en in Hörfassungen mit Audioguides erschlossen.

Blick in die AusstellungDoch was wissen wir eigentlich wirklich über die rätselhafte Begegnung von Hildegard und Barbarossa? Die Ausstellung präsentiert zunächst die nüchternen Fakten – fünf Briefe, ein kaiserliches Privileg und der Eintrag für Barbarossas Frau, Kaiserin Beatrix, im Totenbuch des Hildegard-Klosters. Gezeigt werden ein spätmittelalterlicher Codex aus Trier - eine besonders umfangreiche Sammlung von Hildegard-Briefen -, kaiserliche Originalurkunden für das Kloster und erstmals auch in einer Ausstellung das Nekrolog-Fragment vom Rupertsberg. Mit letzterem verbunden ist die spannende Frage, was die Kaiserin eigentlich derart mit Hildegard verband, dass die Nonnen vom Rupertsberg ihr Andenken über Jahrhunderte hinweg liturgisch pflegten.

Antworten auf diese und viele andere Fragen rund um Leben und Wirken Hildegards von Bingen hat die Geschichtswissenschaft bislang noch nicht gefunden. So ist die heute vielleicht berühmteste Frau des Mittelalters zwar in aller Welt bekannt, aber eine historisch-kritische Biografie über dieses von vielen alten und neuen Legenden überwucherte und manchmal auch kommerziell verwertete Heiligenleben steht noch immer aus. Das Museum am Strom erarbeitet seit Jahren mit eigenen Forschungen Bausteine für eine solche Biografie. So ist auch die Sonderausstellung als „Schaufenster“ für neue Erkenntnisse über Hildegards Wirken im historisch-politischen Kontext ihrer Zeit konzipiert. In den Blick gerät dabei die in ganz Europa und am Kaiserhof einflussreiche Adelsclique der Sponheimer, in die auch die Prophetin vom Rupertsberg eingebunden war – und der „heilige Krieg“ gegen Muslime und „Heiden“ an der Peripherie des Abendlandes, der auch nach dem (gescheiterten) zweiten Kreuzzug von 1147/49 das große Projekt dieser Gruppe blieb. So finden sich auch in den Werken Hildegards „Worte wie Waffen“, aus denen die Bereitschaft der großen Prophetin auch zur Gewaltmission klar hervorgeht. Dafür gab es triftige Gründe: Das Weltenende schien (wie-der einmal) unmittelbar bevorzustehen, und die knappe verbleibende Zeit erforderte die Vollendung der biblisch verheißenen Weltmission – zur Not eben mit allen Mitteln! Im Zentrum dieser Bemühungen stand Jerusalem, das in der Ausstellung u.a. durch Architekturmodelle präsent ist, und das auch im klösterlichen Kontext um Hildegard symbolisch auf vielfache Weise inszeniert wurde: Hier würde sich das „Endzeitdrama“ abspielen, wenn der letzte römische König alle irdische Herrschaft an Christus übergibt und das Jüngste Gericht schließlich über alle Menschen hereinbricht…

Auch davon handeln Hildegards Visionen, deren Appelle an den Kaiser Friedrich zur Übernahme heilsgeschichtlicher Verantwortung als „Endzeitkaiser“ damit an eine Tradition anschließen, die in der Geschichte Europas seit der Spätantike bekannt ist und die sich bis heute aktuelle Projektionsflächen sucht: Es ist die Erzählung von der Sibylle, die den Weltenherrscher prophezeit, der überall für die Ausbreitung des Christentums sorgen wird, und die durch frühe Holzschnitte, Drucke und grafischen Reproduktionen in der Ausstellung dokumentiert ist. In diesem Zusammenhang erscheint auch die Frage nach den Beziehungen Hildegards zur Kaiserin in ganz neuem Licht. Denn zu den „klassischen“ Weissagungen der Sibylle gehört schon seit Vergils Zeiten auch die Ankündigung eines ganz besonderen Kindes, und der Kaiser und die Kaiserin warteten Anno 1163 noch immer sehnlichst auf Nachwuchs zur Sicherung der Dynastie…

Ausstellungsflyer (PDF Dokument)


Die Tourist-Info bietet eine Pauschale an, bei der auch der Besuch der aktuellen Sonderausstellung ein Baustein ist, die Termine sind innerhalb der Laufzeit der Ausstellung frei wählbar:   

Leistungen:

  • 2 Übernachtungen inkl. Frühstück in gutem Mittelklasse-Hotel
  • Museumseintritt inkl. Sonderausstellung
  • Besichtigung von Burg Rheinstein oder Burg Reichenstein (Trechtingshausen)
  • Schriftlicher Burgführer
  • Wein-Verkostung in der Vinothek am Kulturufer (Vinothekenlinie aus den 4 angrenzenden Weinanbaugebieten)

Kosten:

Ab 129,00 € pro Person im Doppelzimmer.

Mehr Informationen erhalten Sie von der Tourist-Information:
E-Mail: touristinfo@bingen.de 
Tel.: 06721 184 - 205 / - 206


SWR-2-Podcast "Kultur am Mittag" zur "Kaiserflüsterin":

https://www.swr.de/swr2/programm/swr2-kultur-aktuell-podcast-112.html


Die Ausstellung ist entstanden als Beitrag der Stadt Bingen zum „Kaiserjahr 2020“ und bildet einen Korrespondenzort zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz.Informationen zur Landesausstellung "Der Kaiser und die Säulen der Macht" 

Pressematerial zur Ausstellung

Hier finden Sie ausgewählte Texte, Bilder und vieles mehr rund um die aktuelle Ausstellung "Kaiserflüsterin"