2000 Jahre Stadtgeschichte
Unter dem Motto „Bingen - ein Brückenschlag durch zwei Jahrtausende“ steht die stadtgeschichtliche Ausstellung, die sich seit diesem Jahr in neuem, erweitertem Gewand präsentiert: Vier Brücken an vier unterschiedlichen Standorten an den Flüssen Rhein und Nahe dokumentieren die besondere verkehrsgeschichtliche Lage Bingens, die zu allen Zeiten die Entwicklung der Stadt bestimmte. Als Modelle bilden die Brücken auch ein optisches Leitmotiv der Ausstellung und führen zu den zahleichen Originalobjekten aus zwei Jahrtausenden Stadtgeschichte.
Den Auftakt bildet die Römer-Abteilung. Die archäologische Sammlung des Museums am Strom geht überwiegend auf reiche und bedeutsame Funde aus über 150 Gräbern zurück. Die beeindruckenden Überreste aus der Vergangenheit vermitteln dem Besucher einen plastischen Eindruck von Wirtschaft, Hausbau, Mode, Schmuck sowie Religion und ermöglichen so einen Streifzug durch das Alltagsleben vor 2000 Jahren.
Mit dem Übergang ins Mittelalter – der zweiten Ausstellungsabteilung – verändert sich das Binger Stadtbild grundlegend: Wie jüngste Forschungen zeigen, verwandelte sich um das Jahr 1000 die bisherige Doppelsiedlung an beiden Naheufern in das Siedlungsbild, wie wir es kennen. Eine Installation mit archäologischen Funden macht deutlich, wie dieser ungewöhnliche Prozess vor sich ging… Außerdem zeigt die Abteilung Handel und Wandel in der blühenden Hafenstadt am Rhein; auch ein rekonstruierter Kachelofen von 1400 und ein Modell des Alten Krans zählen zu den Top-Objekten der Schau.
Ausgangspunkt für das moderne Bingen im 19. und 20. Jahrhundert ist dann wiederum ein Ereignis, das die städtische Silhouette vollständig verändert hat: Erst mit dem Abriss der Stadtmauern entsteht der Raum für neue Straßen und Siedlungsflächen. Davon zeugt ein ganz besonderer „Müllhaufen Anno 1800“ in der Ausstellung: lauter Scherben und Abfall, mit dem man damals die Mauergräben verfüllt hat. Die Abteilung zum 19. Jahrhundert bietet ganz unterschiedliche Einblicke in das Alltagsleben der Stadt – von der Hungerbrezel über die Galerie „Binger Köpfe“ bis zur Büttenrede eines jüdischen Karnevalisten. Zwei Weltkriege und die Besatzungszeit der 1920er Jahre haben auch in Bingen Spuren hinterlassen.
Die Hindenburgbrücke, deren Modell die letzte Abteilung eröffnet, verkörpert diese Epoche wie kaum ein zweites Bauwerk: Seit 1913 erbaut zur Vorbereitung der Invasion im Westen, wurde sie 1944 von Wehrmachtspionieren gesprengt, um den Vormarsch der Alliierten zu stoppen. Auch vom NS-Regime und der Vernichtung der traditionsreichen Binger Judengemeinde legen eindrückliche Exponate Zeugnis ab – so etwa der in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstörte Löwenkopf vom Portal der Binger Synagoge. Eine Medieninstallation zum Ausgang zeigt das „Schauspiel Kommunalpolitik“ und stellt in zehn Kurzfilmen Episoden aus den Protokollbüchern des Stadtrats vom 16. bis ins 20. Jahrhundert vor.