Museum am Strom

Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

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Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

Museum am Strom

Wiederentdeckt

Das Porträt eines Binger Bürgermeisters

Bürgermeister WeißJedes Kind weiß, dass in alten Ritterburgen noch manch verborgene Schätze ruhen. Und das gilt offenbar auch für die Binger Burg Klopp. Vor einigen Monaten wurde hier in einem uralten Schrank der Stadtverwaltung nämlich das gut erhaltene Ölporträt eines in der Öffentlichkeit völlig vergessenen Bürgermeisters entdeckt.

Vermutlich liegt das daran, dass Bürgermeister Franz Joseph Weiß nur vier Jahre lang amtierte – zu einer Zeit übrigens, als das Rathaus noch im mittelalterlichen „halben Haus“ am oberen Ende der Rathausstraße untergebracht war. Weiß war, wie alle seine Vorgänger und nächsten Nachfolger auch, im Hauptberuf im überregionalen Handel aktiv und nur ehrenamtlich Binger Stadtchef. 1774 in Mainz geboren hatte er schon mit 26 Jahren ein Unternehmen für Spezereiwaren und Farben in Bingen begründet. Seit 1822 war er Gemeinderat und seit 1833 auch Beigeordneter der Stadt. Damals war gerade der langjährige und sehr populäre Bürgermeister Geromont verstorben, und Weiß trat kommissarisch an dessen Stelle. Erst 1837 wurde der inzwischen schon 63-Jährige auch offiziell zum Bürgermeister gewählt. Auf seiner kommunalpolitischen Agenda stand u.a. die Anlage des neuen Rheinkais und einer ersten Uferpromenade für die nun immer zahlreicher werdenden Touristen. Ein tragisches „Unglück seltener Art“, wie die Illustrierten damals meldeten, beendete jedoch die kurze Amtszeit von Weiß schon im September 1841. Während eines längeren Aufenthaltes in Mainz hatte der Bürgermeister sich dort in einem kleinen Hotel einquartiert, wo ihm eine brennende Kerze zum tödlichen Verhängnis wurde. Der Unglückliche kam nämlich „bei der Abnahme der Stiefel dem Lichte so nahe, daß es das Hemd ergriff und ihn so schnell in Rauch und Feuer hüllte, daß er die Besinnung verlor und ein Opfer der Flammen wurde.“

Bislang erinnerte nur ein verwitterter Grabstein auf dem Alten Friedhof an den unglücklichen Bürgermeister. Jetzt ist sein neu entdecktes Porträt, das ein unbekannter akademischer Maler wohl um 1835 fertigte, im Original im Museum am Strom zu sehen – und eine Reproduktion davon bald auch in der ehrwürdigen Bürgermeistergalerie des Sitzungssaals auf Burg Klopp.