Heilig-Geist-Hospital in der Nachkriegszeit
Vor drei Wochen, im ArchivDingsTag vom 07. Januar 2025, berichteten wir, dass das Heilig-Geist-Hospital bei dem Bombenangriff am 20. Dezember 1944 so stark beschädigt wurde und es nicht mehr genutzt werden konnte. Die Versorgung der Patienten, darunter viele Bombenopfer, erfolgte anschließend unter schwierigsten Bedingungen an wechselnden Orten. Zuletzt unter anderem im tiefen Weinkeller des Hauses Rochusstraße 6.
Darin haben wir berichtet, dass mit dem Einmarsch der Amerikaner am 20. März 1945 die Kriegshandlungen in Bingen beendet waren und es in der Stadt große Anstrengungen gab, die Unterbringung der Kranken zu verbessern: „Am 10. April 1945 war das Isolierhaus des Heilig-Geist-Spitals für die Frauen- und Entbindungsstation wieder benutzbar. Ab dem 17. April 1945 konnte die chirurgische Abteilung ebenerdig im Lyceum untergebracht werden. Nach gut einem Jahr stand ab dem 22. Mai 1946 die Villa Sachsen für die chirurgische und internistische Abteilung mit 100 Betten zur Verfügung. Erst mit einem neuen Bau auf dem Gelände des Hospitals konnte diese Außenstelle im Juni 1949 aufgegeben werden. 1957 wurde das Bettenhaus neu errichtet und 1958 der OP-Trakt des Heilig-Geist-Hospitals umgebaut".
Auch die Situation der Frauen-/Entbindungsstation ist im Post vom 07. Januar 2025 beschrieben. Das darin erwähnte Isolierhaus ist auf unserem heutigen ersten Foto aus 1956/57 abgebildet. Im Hintergrund ist das im Bau befindliche neue Bettenhaus gut zu erkennen.
Das zweite Foto zeigt das Gebäude an der Ecke Hospitalstraße/Kapuzinerstraße, an das sich wahrscheinlich noch einige erinnern werden. Nachdem dieses zur Verfügung stand, konnte die Entbindungsstation dorthin verlegt werden und in das Isolierhaus zog die Waschküche ein. In dem Eckhaus befanden sich später Praxen von Ärzten des Hospitals. Von den Bingern wurde es gerne auch gerne als „Hospital-Altbau“ bezeichnet.
Das Eckhaus wurde im April 1996 abgerissen, um Platz zu machen für den Neubau eines modernen Ärztehauses, dem Gustav-Schneider-Texier-Haus. Benannt ist es nach einem Binger Unternehmer und Ehrenbürger, dem das Heilig-Geist-Hospital zeitlebens eine so große Herzenssache war, dass der Bau des neuen Ärztehauses mit einer Millionenspende aus seinem Nachlass unterstützt wurde.
ArchivDingsTag, 28. Januar 2025