Binger Zeitleiste

Die Bedeutung des Wortes Bingen ist trotz der größten Bemühungen noch ungeklärt; der Name Bingen scheint jedoch weder germanischen noch römischen, sondern keltischen Ursprungs zu sein.

Über die Geschichte der Stadt ist aber wesentlich mehr bekannt.


Die Binger Geschichte im Schnelldurchlauf

Für einen detaillierten Überblick empfehlen wir jene Quellen, die im Virtuellen Archiv Bingen unter "Historische Quellen" aufgeführt und größtenteils verlinkt sind.

ab 5500 v. Chr.

Erste nachweisbare Besiedlung des heutigen Stadtgebietes.
Vor der Zeitenwende gab es an der Stelle des heutigen Bingens keltische Stämme. Das bezeugen archäologische Funde, die die typischen Verzierungen mit Ornamenten zeigen (Latènekultur).

1. Jh. n.Chr

Kurz nach der Zeitwende siedeln die ersten römischen Truppen in Bingen, bauen ein großes Kastell. Die Römer bleiben hier bis ins 4. Jh.

um 10 n. Chr. Bau der ersten Nahebrücke.
107 n. Chr. Erste Überlieferung des Ortsnamens Bingium durch den römischen Historiker Tacitus.
2. Jh. n. Chr.

Bestattung eines römischen Arztes mit dem 70teiligen Binger Ärztebesteck

359 Bingen erhält seine erste Umfassungsmauer. Sie soll die Bevölkerung von den Germanen retten, die im Zuge der Völkerwanderung das Binger Land erobern möchte.
406 Aufgabe der römischen Rheingrenze, fränkische Eroberer übernehmen das römische Erbe.
ca. 500-1000
Nach der Völkerwanderung gehörten Teile von Bingen verschiedenen Lehensherren. Das war beispielsweise die fränkischen Könige (ab 800: römische Kaiser), das Erzstift Mainz sowie die bekannten Klöster von Fulda, Lorch, Hasenried und Prüm.
793 Erste urkundliche Erwähnung der Basilika St. Martin.
983
Auch, wenn einzelne Bereiche in Bingen verschiedenen Lehensherren gehörten (zum Beispiel der Veldenzer Hof den Grafen von Veldenz), so gehörte Bingen insgesamt zum Kurfürstentum Mainz. Die rechtliche Bestätigung, dass der Mainzer Erzbischof über das Binger Land verfügt, wurde am 14. Juni 983 vom römischen Kaiser Otto III. unterzeichnet. Da er sich zu diesem Zeitpunkt in Verona aufhielt, bezeichnet man die Urkunde auch als Veroneser Schenkung oder Reichsakte zu Verona.
Anschließend wurde die Burg Klopp als Herrschaftsgebäude für den Erzbischof sowie eine Stadtmauer mit Türmen erbaut.
um 1000
Bau der Drususbrücke.
um 1098

Geburt von Hildegard von Bingen

1105 Kaiser Heinrich IV. wird von seinem Sohn Heinrich V. bei Bingen gefangen genommen, um dessen Abdankung zu erzwingen.
um 1150 Hildegard, die Magistra des Frauenkonvents des Klosters Disibodenberg (bei Bad Sobernheim), baut am Zusammenfluss von Nahe und Rhein ein eigenes Kloster. Das Areal ist als Rupertsberg bekannt, benannt nach einem Heiligen Rupertus. Hildegard macht sich den Namen zu Nutze, verfasst die erste Heiligensage über ihn und legitimiert damit den Bau ihres Klosters an dieser Stelle.
Hildegard verfügt über ein sehr gutes Netzwerk innerhalb des Binger Landes und erhält so zahlreiche materielle wie immaterielle Unterstützung. Nach ersten wirtschaftlich unsicheren Jahren, floriert das Kloster.
1179 Tod von Hildegard von Bingen
1282 Erste urkundliche Erwähnung des Namens Burg Klopp
1424, 1438 In zwei Etappen erwarb das Mainzer Domkapitel die Stadt Bingen und sind die neuen Lehensherren der Stadt.
1487 Bau des Alten Krans am Rheinufer
1516 Eine frühe Fassung der Mäuseturmsage ist belegt
1621 Der Binger Friede beendete den ersten Teil des Dreißigjährigen Krieges. Der Vertrag, der zwischen dem katholisch-kaiserlichen Feldherr Spinola und dem hessischen Landgraf Moritz in Bingen geschlossen wird, hat die Auflösung der protestantischen Union zur Folge.
1630-1650 Während die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges Bingen nur am Rande von den Kriegshandlungen betroffen war, betreffen sie sie jetzt stark. Beide kämpfenden Seiten besetzen wechselnd die Stadt, fordern jeweils Verpflegung für ihre Truppen. Außerdem kommen am Binger Hafen zahlreiche Truppen an, denn Bingen ist sehr nahe der Grenze zur Kurpfalz.
Auch nach dem Westfälischen Frieden besetzen französische Truppen noch bis 1650 die Stadt.
1677 Einweihung der St. Rochuskapelle
1689 Im neunjährigen Krieg wird Bingen von den zurückgetriebenen französischen Truppen gebrandschatzt. 
1792-1793 Im Oktober 1792 wird Bingen erneut von französischen Truppen besetzt, französischen Revolutionstruppen. Im Frühjahr 1793 rufen sie in Mainz die Republik aus und auch Bingen wird als Teil des nun französischen Gebietes erstmals in seiner Geschichte eine Republik mit demokratischen Grundsätzen. Allerdings dauert die Republik nur wenige Tagen, dann umzingelt und erobern zusammengeschlossene, alliierte Truppen verschiedener deutscher Länder die Stadt Mainz. 
1794-1813 Die Besatzungszeit der deutschen Alliierten währt nur kurz: 1794 ist Bingen wieder französisch und bleibt es nun für zwei Jahrzehnte. Es wird ein neue Region gegründet, das Département Donnersberg, dessen Hauptort Bingen wurde. 
1816 Im Wiener Kongress wird die Zusammensetzung Europas besprochen. Für Bingen ändert sich erneut die Herrschaft: Es ist künftig nicht mehr mainzerisch, sondern hessisch. Denn das schon existierende Großherzogtum Hessen-Darmstadt erhält zusätzlichen einen linksrheinischen Teil, der von Bingen bis Mainz bis Worms reicht. Bald bürgert sich der Name Rheinhessen für diesen Bereich ein.
Außerdem beginnt die Rheinromantik.
1875 Wiederaufbau der Burg Klopp und seit 1897 Sitz der Stadtverwaltung
1913 Bau der Hindenburgbrücke bei Bingen-Kempten
1919 Nach dem ersten Weltkrieg wird die Weimarer Republik gegründet; die erste deutsche Republik, der Bingen zugehörte. Bingen bleibt hessisch, ist nun aber Teil des Gau Hessens, der bis 1945 Bestand haben wird.
1938 Am 10. November 1938 zerstören Nazis in Bingen die neue Synagoge in der Binger Rochusstraße. Der gänzlich zerstörte linke Flügel wird nicht mehr aufgebaut werden. Die zerstörte Synagoge bleibt bis 1970 sichtbar, erst dann werden die Mauerreste verräumt. Übrig gebliebene Teile der Synagogenfront werden auf den jüdischen Friedhof gebracht.
1944 Über Bingen stürzt ein Flugzeug ab, hinein in den Rhein. Teilweise können sich die Piloten vorher retten, werden gefangen genommen, missbraucht und erliegen ihren zugefügten Verletzungen.
1945 Bingen wird am 21. März 1945 von US-Truppe befreit, die bereits ab dem 18. März die Stadt Stück für Stück die Stadt einnehmen können. Wie im ganzen deutschen Gebiet, ist die Stadt stark zerstört, denn der Binger Hauptbahnhof war strategisch wichtig für die deutsche Kriegsmaschinerie. Daher wurden auf diesen Bereich mehrere alliierte Angriffe geflogen und auch Bingen als Stadt getroffen, zuletzt im November 1944.
1969 Bingen bekommt den Status einer großen kreisangehörigen Stadt verliehen
2008 Das brachliegende Rheinufer wird zur blühenden Oase. Bingen erhält den Zuschlag für die rheinland-pfälzische Landesgartenschau.
2012 Heiligsprechung der Hildegard von Bingen und Erhebung in den Stand einer Kirchenlehrerin