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Oktober 2014

Komm in den totgesagten park und schau

Komm in den totgesagten park und schau
Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade •
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb • das weiche grau
Von birken und von buchs • der wind ist lau •
Die späten rosen welkten noch nicht ganz •
Erlese küsse sie und flicht den kranz •

Vergiss auch diese lezten astern nicht •
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George: Das Jahr der Seele. Sämtliche Werke in 18 Bänden. Hg. von der Stefan George Stiftung. Bear-beitet von Georg Peter Landmann und Ute Oelmann, Stuttgart 1982ff., Bd. IV, S. 12.


Dieses Gedicht, das berühmteste Stefan Georges und sicher eines der schönsten Herbstgedichte deutscher Sprache, eröffnet den Gedichtband ‚Das Jahr der Seele‘ von 1897 und findet sich bis heute in vielen Lyrik-Sammlungen und Schulbüchern. In seiner verhaltenen Melancholie spricht es von dem einen, unwiederbringlichen Augenblick, in dem die herbstlich absterbende Parklandschaft noch einmal in ihrer vollen Schönheit erscheint. Sie zu ergreifen, also ganz zu erfassen, fordert sich selbst und genauso ‚dich‘ der lyrische Sprecher auf. Man darf im Schlusswort ‚Gesicht‘, das das ganze Gedicht auch als Vision der Schönheit bestimmt, zugleich ‚Gedicht‘ durchhören: Dieser einzigartig schöne Augenblick des ganzen Lebens kann nur im Gedicht bewahrt, gegen Sterben und Tod verteidigt und auch ertragen werden. ‚Verwinden‘ bedeutet ja: etwas verschmerzen, seelisch aushalten, sich vielleicht sogar davon freimachen. Herbstliche Parklandschaft und Landschaft der Seele durchdringen sich völlig.

(Wolfgang Braungart)