Ein grünes Kleinod in Büdesheim

Der Büdesheimer Ententeich 2017. Der Ententeich 2015.

Renaturierung des Entenbachs macht den Gewässerlauf erlebbar

Formal ist der Büdesheimer Entenbach ein „Gewässer III. Ordnung im Stadtgebiet“ dessen Pflege und Instandhaltung der Stadt Bingen unterliegt.
Doch für viele ist er die „Byrtze“, wie der Ursprungsname ist (und nach dem sich auch der Verein der Heimatfreunde benannt hat und der seit 2002 die Bachpatenschaft übernommen hat), der einst für Büdesheim lebenswichtige Bach, dessen Wasser seit dem frühen Mittelalter die Kepps- und Bachmühle antrieb. Mit der Anlage des Ententeiches wurde die Hauptquelle des Baches außerhalb der Ortsbefestigung gefasst. Noch Mitte des letzten Jahrhunderts war der Bach mit seiner begleitenden Gewässeraue ein prägendes und verbindendes Element von der Ockenheimer Schwelle über die Büdesheimer Ebene bis zur Nahe.

Andere nennen ihn heute den „Stinkebach“, da seit dem technischen Ausbau in den Jahren 1967-1973 im östlichen Teil mit periodisch wiederkehrenden Einspeisungen aus der Kanalisation zu rechnen ist. Für die Mehrheit ist er einfach „der Entenbach“ für den sie sich schon im Stadtentwicklungsplan von 1994 eine Renaturierung des Bachlaufes wünschten.

Die Renaturierung von Gewässern in der freien Landschaft ist seit den ungewöhnlichen Hochwasserereignissen im Winter 1993/94 ein zentrales Element für den Hochwasserschutz und die Gewässerökologie. Innerorts verbindet sich mit der Gewässerrenaturierung ein zusätzlicher Mehrwert für Stadtentwicklung, Naherholung und Tourismus. Die innerörtliche Lage des Entenbaches, eingebettet in einen Grünzug sowie sein dauerhaftes Wasserangebot bieten ideale Voraussetzungen für eine naturnahe Gewässerentwicklung verbunden mit der Schaffung attraktiver Naherholungs- und Erlebnisräume für die Bürgerinnen und Bürger Büdesheims.

Einen Bach innerorts zu renaturieren ist nicht sehr alltäglich, doch die naturnahe Entwicklung, die hier im Bereich zwischen den Straßen Am Entenbach und Saarlandstraße geschaffen wird, ist die Anstrengungen und Mühen wert.

Mit der Renaturierung des Ententeiches konnte bereits 2017 der erste Bauabschnitt eingeweiht werden. „Mit dieser Maßnahme, für die wir dankenswerter Weise Fördermittel aus der „Aktion Blau Plus“ miteinrechnen konnten, haben wir die Naherholung im Stadtteil nachhaltig verbessert. Es ist hier ein beliebter Treffpunkt für die Büdesheimerinnen und Büdesheimer entstanden“, so Oberbürgermeister Thomas Feser. Er sieht auch dem geplanten zweiten Bauabschnitt freudig entgegen.

Auch in diesem nun anstehenden Abschnitt, der eine Gewässertrecke von rund 350 Meter Länge und eine Gesamtfläche von gut 12.000 m² betrifft, soll durch die naturnahe Gestaltung des Gewässers eine ökologische wie gestalterische Aufwertung erreicht werden. Das neue Bachbett wird naturnah und mit leicht windendem Verlauf – dem ursprünglich vorhandenen Flachlandbach nachempfunden – angelegt. Das strukturreiche ausgebildete Gewässer, die begleitende standorttypische Vegetation und die flach ausgeprägten Böschungen werden zu einer deutlichen Verbesserung der Vernetzung von Gewässer und Gewässerumfeld beitragen und neue Lebensräume für die gewässertypische Fauna und Flora bieten. Durch die Anhebung des Bachs aus dem tiefen Trapezprofil auf nahezu vorhandenes Niveau wird er unmittelbar erlebbar. Naturnahe Spiel- und Erlebnisräume mit Sitzblöcken und Bänken werden Plätze zum Genießen für Jung und Alt. Die Gestaltung der umliegenden Flächen als naturnahe Wiesen, die Pflanzung von Büschen und Bäumen sowie von Obstgehölzen als Reminiszenz an die kleingärtnerische Nutzung werden zum Verweilen einladen. Die durchgängige Wegeverbindung entlang den Lindenbäumen wird durch Furten, Trittsteine und Fußgängerstege ergänzt werden. Gestaltete Plätze bereichern das Areal und schaffen attraktive Naherholungsräume am Gewässer.

Die Umweltabteilung der Stadt Bingen setzt mit dieser Maßnahme einen wichtigen Baustein zur Klimaanpassung im Stadtteil Büdesheim um.

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