Vor 95 Jahren: Hindenburg in Bingen
21. Juli 1930: „Das war Bingens Hindenburgtag“
Diese Aussage notiert der Binger Dr. P. P. Nahm in seinem Zeitzeugenbericht zum Besuch von Reichspräsident Paul von Hindenburg, der das nun besatzungsfreie Gebiet am Rhein besuchte.
„Trotz der großen Anstrengungen, die das von Speyer über Worms, Mainz, Wiesbaden und Kreuznach nach Koblenz führende Reiseprogramm dem Dreiundachtzigjährigen auferlegte, machte er auf seiner Autofahrt in Bingen Halt. Die Schulen hatten frei, die meisten Geschäfte geschlossen. Vereine und Schulen standen Spalier, die Bevölkerung, die auch aus der näheren Umgebungen Bingens herbeigekommen war, füllte die Straßen, durch die sich Hindenburgs Auto auf dem Weg nach Kreuznach bahnen sollte. Vor dem Verkehrspavillon in den Rheinanlagen hatten die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden, der Kirchengemeinden und der Kriegervereine die Altveteranen, der Stadtrat und sonstige Körperschaften Aufstellung genommen.“
Danach beschreibt Dr. Nahm, dass Hindenburg an der Hindenburgbrücke empfangen wurde und er im offenen Auto entlang jubelnder Menschen durch Kempten und die Mainzer Straße zu der Binger Rheinanlage fuhr, wo er von den Honoratioren und vielen Bürgern erwartet wurde.
„Vor dem Verkehrspavillon hielt der Zug der Autos, Herr Bürgermeister Dr. Sieglitz begrüßte den Generalfeldmarschall […] und bot ihm in silbernem Pokale vom Besten des Binger Einundzwanzigers. Hindenburg ergriff lächelnd den Pokal, tat einen kräftigen Zug und schmunzelte abermals ob der Güte dieses Tropfens.“
Weiter schreibt Dr. Nahm: „Hindenburg gab auf des Bürgermeisters Gruß keine offizielle Antwort, sondern unterhielt sich einige Zeit mit Bingens Stadtoberhaupt. Er sagte unter anderem, dass er sich jetzt, als er am Binger Bahnhof vorbeigefahren sei, erinnert habe an das Jahr 1870, das ihn als jungen Leutnant sah, der in Bingen aus dem Militärtransportzug geladen wurde, um von hier aus den Fußmarsch gegen Frankreich zu beginnen. In Bingens nächster Nähe, in Dromersheim, hat er damals einen Tag in Quartier gelegen.“
Die Weiterfahrt nach Bad Kreuznach führte durch die menschengesäumten Straßen der Stadt, vorbei am Speisemarkt, die Schmittstraße und durch die Gaustraße hinaus.
„Am Nachmittag kam er auf der Rückfahrt nach Eltville wieder bei uns vorbei. Nochmals jubelte Bingen ihm zu, und zwei Tage später wiederum, als er auf dem Köln-Düsseldorfer Dampfer die Fahrt nach Koblenz unternahm“.
#ArchivDingsTag, 29. Juli 2025