Hassia-Messe (No 299)

Werbung für die Hassia-MesseIn den 1930er Jahren gab es ein Binger Volksfest, das heute kaum noch bekannt ist: Die „Hassia-Messe“ auf dem Gelände des Sportvereins in Büdesheim. Wir zitieren aus den Artikeln der RNZ (Rhein-Nahe-Zeitung) vom 9. und 19. August 1936 einige Absätze, die in einer damals bei solchen Veranstaltungen häufig verwendeten, recht bildhaften Sprache schildern, was die Besucher vor 90 Jahren erwartete.

„Alljährlich, wenn die letzten Garben vom Felde eingebracht sind, die Sperre für die Rasenspieler wieder der Vergangenheit angehört und man zu neuen, erfolgsversprechenden Taten in unserem großen heimischen Sportverein, der Binger Fußball-Vereinigung „Hassia“, rüstet, just dann ist auch der Zeitpunkt zur Abhaltung der Hasse-Messe gekommen.“

„Viele Außenstehende werden sich dann immer die Frage vorlegen, aus welchem Anlaß wird eigentlich das Fest durchgeführt? Einmal verfolg die Hassia-Messe den Zweck. die den Sport sehr günstig befruchtende Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern und zu pflegen. Im weiteren sollen alle Aktiven und den Verantwortlichen nach den Anstrengungen auf dem Rasen und in der Vereineführung einige Tage, frei von den Alltagssorgen, in der große Vereinsfamilie beschieden sein.“

„Entgegen der seitherigen Veranstaltungen wird dieses Jahr kein großes Festzelt errichtet, dafür aber je ein Bier- und ein Weinzelt. Die bekannte Kapelle Albers au Mainz wird zum Tanz aufspielen. Zwischendurch werden die Büchsen knallen an den Schießständen. Und er noch nicht über das nötige ‚Zielwasser‘ verfügt, wird sich in den ‚Dorfkrug‘ begeben und dort zu spottbilligem Preise einige Schoppen des köstlichen Rebensaftes hinter die Binde gießen und dann aufs Neue sein Glück versuchen.“

„Am Eingang hat das Sprungpferdkarussell Aufstellung genommen, Schießbuden, Verlosungsstände, Drehräder, Eispavillons und ein Ringwurststand schließen sich an und laden die Besucher zu Vergnügen und Geschicklichkeit ein. Als Sensation der ‚Hassia-Messe‘ sind die ‚Rollenden Tonnen‘, die ‚Todeswand‘ und eine Wildwest-Sportschau zu nennen.“

„Und das Trinken, dass soll man nicht lassen! […] … der lenkt seine Schritte zum ‚Dorfkrug‘, der nach Art unserer heimischen Straußwirtschaften – in denen ja immer Frohsinn und Humor die erste Geige spielen – alle der fröhlichen Zecher harrt. Spottbillig wird dort der Binger Schoppen ausgeschenkt. Und er nachweislich zehn Schoppen petzt, erhält die Sondervergütung von 5% Nachlass. Ob es deren wohl viele sind?“

„Das ‚Hessenhaus‘ selbst ladet ebenfalls zu großen Überraschungen. Und dies ‚alles billig – spottbillig, halb geschenkt‘. Kinder, Kinder seid vergnügt! Kommt auch! Ihr werdet es nicht bereuen. Da gibt es so viele Überraschungen, die selbst Euren Eltern Freude bereiten werden, die wir aber nicht verraten dürfen und wollen.“

Schließlich gibt der Redakteur noch in einem der Artikel auch seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Hassia-Messe „mit der Zeit sicherlich einen Ruf erlangen wird, wie die beliebten Jahrmärkte unserer Nachbarstädte“.

Nun, die Geschichte zeigt uns, dass es hierzu nicht gekommen ist. Stattdessen entwickelte sich das damals noch in jungen Schuhen steckende Winzerfest zum größten Binger Fest.

#ArchivDingsTag, 11. August 2026