Der Binger Industriehafen (No 297)
Zwar sind die 1956 am Rheinufer entstandenen Fotos schon 70 Jahre alt, doch bis in die 1990er Jahre hinein hatte sich das Bild des Binger Industriehafens an dieser Stelle kaum verändert.
Das erste Foto zeigt die der Stadt zugewandte Seite der Lagerhallen der Spedition Friedrich Vogt mit dem Zollamt und dem Alten Kran im Hintergrund. Auf dem zweiten Foto sieht man die Gebäude-Rückseite und den neuen Hafenkran, mit dem sowohl Schiffe als auch Bahnwaggons be- und entladen werden konnten. Auf dem dritten Foto ist der Kinderspielpatz zu sehen mit den Bockspring-Stämmen im Vordergrund.
Als in den 1990er Jahren die Entscheidung fiel, den Industriehafen aufzugeben, war die künftige Nutzung des Geländes zunächst offen. Hinzu kam, dass auch das Rheinufer auf der Bingerbrücker Seite zur Industriebrache wurde. Durch den Strukturwandel im Schienengüterverkehr wurden die ausgedehnten Rangier- und Gleisanlagen überflüssig und von der Deutschen Bundesbahn stillgelegt.
In Bingerbrück gab es beispielsweise seitens einer Supermarktkette den Plan, im Schatten des Mäuseturms einen großflächigen Hypermarkt zu errichten. Damit wäre dieser Teil des Rhein-Nahe-Ecks in Privatbesitz übergegangen und für die Öffentlichkeit weitgehend gesperrt gewesen.
Am Innenstadtufer wiederum reichten die Überlegungen von einer Wohnbebauung bis zur Errichtung einer „Wein-Welt“ am östlichen Ende des Industriehafens. Doch deren privatwirtschaftliche Finanzierung geriet ins Wanken, und das Aus für dieses Projekt zeichnete sich immer deutlicher ab.
In diese Zeit vor 25 Jahren fiel die Gründung des Stadtmarketing-Vereins Bingen Unternehmen Zukunft (BUZ). In seiner Gründungsversammlung am 9. Mai 2001 schlug BUZ vor, die Stadt solle sich um die Ausrichtung der Landesgartenschau Rheinland-Pfalz 2004 oder 2008 bewerben. Ziel war es, das Rheinufer entlang der Innenstadt und in Bingerbrück als grüne Oase für die Bürger zu nutzen und gleichzeitig die Attraktivität Bingens als Tourismusstadt zu steigern. Sogar ein Kurzkonzept zur Ausgestaltung einer Landesgartenschau hatten die BUZ-Gründer bereits ausgearbeitet und damit ihren Vorschlag untermauert.
Die Reaktionen auf den BUZ-Vorschlag waren zunächst recht unterschiedlich. Doch die Idee gewann immer mehr Befürworter, und die rund 7.000 Unterstützer-Unterschriften zeigten, wie breit die Zustimmung in der Bevölkerung war.
Seit 2008 hat Bingen mit der für die Landesgartenschau neu gestalteten Hindenburganlage und ihrem Kulturufer sowie dem Park am Mäuseturm eine der schönsten Rheinpromenaden.
Mit 1,3 Millionen Besuchern wurde die ursprüngliche Besucher-Prognose von 600.000 Gästen für die Landesgartenschau 2008 sogar mehr als verdoppelt. Unsere Laga 2008 zählt damit zu den erfolgreichsten Landesgartenschauen Deutschlands überhaupt.
Das auf den Fotos gezeigte Gelände östlich des Alten Krans hat sich inzwischen grundlegend verändert: Nachdem dort noch einige Jahre nach der Landesgartenschau die bunten Themengärten begeisterten, stehen dort heute die Häuser der „Gartenstadt“ und das Hotel „Papa Rhein“.
#ArchivDingsTag, 27. Juli 2026