Brand legt Arkaden von Hildegards Klosterkirche frei
Es waren dramatische Stunden am Abend des 8. Februar 1975, dem Samstag vor Fastnacht. Während des damals traditionellen "Bingerbrücker Lumpenabends" brach im „Herter-Haus" auf dem Areal des ehemaligen Kloster Rupertsberg unserer Hildegard von Bingen ein Feuer aus, das sich rasch bis hoch in die beiden Dachgeschosse ausbreitete. Es war eines der ganz wenigen Häuser in Bingerbrück, das 1944/45 von Bombentreffern verschont geblieben war.
Das brennende Treppenhaus versperrte den Bewohnern den Fluchtweg. Ein Ehepaar konnte sich durch einen Sprung aus dem ersten Stock unverletzt retten, ein junger Mann brach sich dabei ein Bein. Eine Frau entkam aus dem zweiten Stock über ein Gerüst an einer der Außenwände. Andere wurden von der Feuerwehr gerettet.Die Brandruine wurde von dem Binger Unternehmer Josef Würth erworben und mit veränderter Dachgestaltung wieder aufgebaut. Ab 1976 diente das nun „Villa Würth“ genannte Gebäude als Sitz seiner Büroorganisationsfirma. Die freigelegten Arkaden blieben erhalten und wurden in die Geschäftsräume integriert.
Nach der Aufgabe des Geschäftsbetriebs von Würth in Bingen erhielt das Areal 2020 einen neuen Eigentümer. In den Jahren 2022/23 gestaltete die Stadt das Erdgeschoss neu. Die originalen Arkaden der Hildegard-Klosterkirche wurden für Besucher zugänglich und der „Fahrstuhl in die Vergangenheit“ macht seit Mai 2023 das Hildegard-Kloster digital erlebbar. Außerdem hat das Stadtarchiv mit seinem Lesesaal hier seine neue Adresse gefunden. Seitdem weist das Gebäude mit seinem Namen „Villa am Rupertsberg“ auf den historischen Ort hin.
#ArchivDingsTag, 4. Februar 2025