Bingen vor ca. 200 Jahren
Unser heutiges ArchivDings zeigt eine Darstellung von Bingen auf Leinwand von Joseph Thürmer 1789-1833), die 1817 entstanden sein soll. 1817, das war drei Jahre nach der sogenannten „Franzosenzeit“ (1794 bis Jahreswechsel 1813/14) und der schrecklichen Fleckfieberepidemie, die napoleonische Soldaten auf ihrem Rückzug vom Russland-Feldzug in die Stadt gebracht hatten.
Da 1816 der Wiener Kongress die Nahe als Grenze zwischen dem nun hessischen Rheinhessen und den preußischen Rheinlanden festgelegt und Bingen seine Gebiete auf der linken Naheseite verloren hatte, malte Josef Thürmer das Bild also vom preußischen Rupertsberg aus – wie das spätere Bingerbrück damals seit Jahrhunderten hieß. Zu jener Zeit bestand er aus der Klosterruine, dem dortigen Weingut und einigen wenigen Häusern entlang des Weges zur Drususbrücke.
Das sechseckige Gebäude im Vordergrund ist die vormalige Nikolauskapelle, welche in der Säkularisierung 1803 in Privatbesitz überging und zu Wohnzwecken umgebaut wurde. Auf der Binger Seite sehen wir im Vordergrund die mächtige Pfarrkirche St. Martin (heutige Basilika) mit einer übergroß dargestellten Turmuhr. Es war zur damaligen Zeit nicht unüblich, dass ein Maler Dinge oder auch Bauwerke, denen er eine besondere Bedeutung beimaß, proportional größer darstellte, als sie in Wirklichkeit waren.
St. Martin stand nur unweit des Naheufers, welches seinerzeit noch längst nicht in jenem Maße aufgeschüttet war, wie es uns heute vertraut ist. Die wuchtigen Mauern schützten hauptsächlich vor;Hochwasser und allenfalls vor unwillkommenen Reisenden. Gegen die militärischen Angriffe der vorangegangenen kriegerischen Auseinandersetzungen waren sie wirkungslos gewesen. Eine Rampe führte zum Ufer der Nahe und zu den Nachen, die gestakt oder gerudert wurden.
Innerhalb der Kirchenummauerung befand sich auch der Friedhof. Der heutige Freidhof-Platz war relativ dicht bebaut. Neben dem Haferkastenhaus, dem Brüderhaus und einigen Privathäusern, standen hier auch ein kleines Kloster, die Bubenschule und der erste Bau des Heilig-Geist-Hospitals.
Der kleinere der seitlichen Türme über den Dächern der Stadt gehört zum Rathaus und der größere markiert die Kapuzinerkirche. Auf der Höhe erhebt sich die zweite Rochuskapelle, die 1814 eingeweiht wurde, während das alte „Schloß Klopp“ noch in Trümmern liegt und erst Jahrzehnte später als „Burg Klopp“ und im damals bevorzugten neugotischen Stil wieder entstand.