597 km bis Berlin
Habt ihr euch schon einmal gefragt, was es mit diesem Stein auf sich hat? Warum er am Rheinufer die Entfernung nach Berlin anzeigt?
Der erste „Berliner Kilometerstein” wurde 1954 an der Autobahn zwischen Köln und Frankfurt am Main aufgestellt.
Die Gedenksteine waren ein Symbol der Solidarität mit dem geteilten Berlin und seiner besonderen Lage mitten in der DDR. Während des Kalten Kriegs sollten sie nicht nur die Verbundenheit ausdrücken, sondern auch daran erinnern, dass Berlin die eigentliche deutsche Hauptstadt ist und Bonn lediglich der vorübergehende Regierungssitz.
Bis 1989 kamen in der damaligen Bundesrepublik über 250 weitere Exemplare des „Berliner Meilensteins“ hinzu. In Bingen wurde er in den 1970er Jahren in der Hindenburganlage errichtet – als einer von zehn Exponaten in Rheinland-Pfalz.
Allen Meilensteinen ist gemeinsam, dass sie das Wort „BERLIN“ in Großbuchstaben tragen. Darüber hinaus befindet sich ein Bärenrelief und die jeweilige Entfernung in Kilometern darauf. Der Bezugspunkt ist der ehemalige Berliner Dönhoffplatz, auf dem einst der preußische „Null-Meilenstein“ von 1730 stand.
Seit 1990 sollen die Steine an den friedlichen Fall der Berliner Mauer erinnern und verdeutlichen, wie weit die nun erneuerte Hauptstadt entfernt liegt.
Seit der Wiedervereinigung sind viele der Steine verloren gegangen. Fast wäre dieses Schicksal auch dem Binger Stein widerfahren. Bei den Baumaßnahmen zur Landesgartenschau wurde er demontiert und eingelagert.
In der Folge geriet er ein Stück weit in Vergessenheit bis 2010 die Stadtverwaltung die Initiative einer Bürgerin aufgriff und ihn nach gründlicher Renovierung wieder in der Hindenburganlage aufstellte. Ausgerichtet nach den geografischen Koordinaten „… glänzt der Berliner Bär nun wieder wie in besten Zeiten und gibt in seinem Sockel die Entfernung von Bingen nach Berlin kund. Nämlich genau 597 Straßenkilometer“, schrieb die AZ am 3. November 2011.
#ArchivDingsTag, 7. Oktober 2025