Basilikastraße
Die heutige Basilikastraße hieß Kirchstraße, auch Kirchgasse. Die Umbenennung bzw. heutige Benennung bezieht sich erkennbar auf die nahe Basilika St. Martin; ein genaues Datum der Umbenennung ließ sich in den online zugänglichen Quellen nicht verifizieren.
Der Straßenzug verband bzw. verbindet den Bereich Freidhof mit dem Speisemarkt und war Teil der dicht bebauten historischen Innenstadt. Die Lage an wichtigen innerstädtischen Einrichtungen, Handel und Verwaltung prägte seine Funktion.
Auf dem späteren City-Center-Areal an der Basilikastraße ist 1344 erstmals ein Gebäudekomplex urkundlich nachweisbar, als ein Binger Bürger ihn an das Kloster Sponheim veräußerte. Daraus entwickelte sich der über Jahrhunderte so bezeichnete Sponheimer Hof. Er wurde infolge von Reformation sowie französischer Herrschaft zweimal säkularisiert (1556 und 1802). Nach 1802 gelangte er an den Binger Jacob Gunst; im 19. Jahrhundert folgten weitere Eigentümer, darunter ab 1869 Simon Zacharias Coblenz. Für das Weingut Meyer & Coblenz waren insbesondere die vorhandenen Kellerräume bedeutsam.
1916 erwarb die Stadt Bingen das Areal. Bis 1974 waren dort unter anderem Stadtkasse, städtisches Weingut und Bauschule untergebracht; außerdem bestanden kleinere Gewerbebetriebe wie Metzgerei Herwig und Thalisia.
1974 wurde der teils baufällige Gebäudebestand einschließlich des ehemaligen städtischen Amtshauses abgebrochen. 1975 entstand dort ein Karstadt-Kaufhaus, später Hertie; nach Umbau eröffnete 2016 das CityCenter Bingen. Damit wandelte sich ein historisch gemischtes Quartier aus Hof-, Verwaltungs-, Weinbau- und Kleingewerbenutzung zu einem großflächigen Handelsstandort.
Ein historischer Erker des früheren städtischen Amtshauses wurde nach dem Abbruch bewahrt und in ein 1980 errichtetes modernes Gebäude integriert. Er bildet ein seltenes sichtbares Relikt des abgerissenen Straßenzugs.
In den 1960er Jahren nahm der Autoverkehr stark zu; die damalige Kirchstraße war vom Leitbild der „autogerechten Stadt“ und später von Einbahnregelungen geprägt. Die Basilikastraße wurde schließlich am 30. April 1977 autofrei und Teil der Fußgängerzone.
Der ehemalige Kreuznacher bzw. „Kleine Felsenkeller“ im Bereich der Kreuzung Basilikastraße/Hasengasse/Rathausstraße wurde abgerissen; an seiner Stelle befindet sich heute ein Geschäftshaus mit Basilika-Apotheke. Flächen am Rathausplatz, die zeitweise als Parkplatz dienten, wurden später mit Geschäftshäusern bebaut bzw. begrünt.
Sie bildete die Südgrenze des mittelalterlichen jüdischen Viertels. Dieses erstreckte sich zwischen Mönchsgasse (heute Amtsstraße) und Judengasse (heute Rathausstraße); nach Norden begrenzte es die Stadtmauer. Somit auch südlicher Übergang zwischen dem jüdischen Quartier, dem Bereich der Kirche und der übrigen Altstadt.