Leitfaden und Auszeichnung für einen entsiegelten und naturnah begrünten Garten

Sie interessieren sich für eine naturnahe Gartenumgestaltung mit Entsiegelung von Flächen? Die Stadt Bingen unterstützt Sie dabei mit Förderprogrammen und bietet Mitmach-Aktionen an. Studierende der TH Bingen haben für Sie vielfältige Fördermöglichkeiten, praxisnahe Tipps und anschauliche Umsetzungspläne zusammengestellt.

Bevor es an die konkrete Gestaltung geht, lohnt sich ein Blick darauf, was eine naturnahe Begrünung eigentlich ausmacht und warum versiegelte Flächen problematisch sind. Genau hier setzt das studentische Projekt „Auszeichnung für einen entsiegelten und naturnah begrünten Garten“ an: Es möchte Bürgerinnen und Bürger – ob Grundstücksbesitzer, Mieter, Vereine oder kleine und mittlere Unternehmen – dabei begleiten, versiegelte Bereiche in lebendige, naturnahe Grünflächen zu verwandeln.

Für die Umgestaltung stehen Ihnen hier von den Studierenden zusammengestellte hilfreiche Hinweise, fertige Gestaltungspläne und Informationen zu passenden Förderprogrammen bereit. Denn in Bingen gibt es zahlreiche Orte, die großes Potenzial für eine naturnahe und lebenswerte Gestaltung bieten.

Was sind naturnahe Gärten?

Ein naturnaher Garten beschreibt einen von Menschen angelegten Garten, dessen Gestaltung sich an der heimischen Natur orientiert. Er fördert die Biodiversität und bietet Lebensräume für heimische Wildtiere und Pflanzen.

Warum ein Garten mit naturnaher Begrünung?

Ex-Schottergarten

Naturnahe Gärten leisten einen wichtigen Beitrag für die Umwelt und Lebensqualität in Bingen. Sie filtern versickerndes Regenwasser und unterstützen so die Bildung von Grundwasser – ein großer Vorteil in Zeiten von Hitze und Trockenheit. Gleichzeitig wird die Kanalisation entlastet, da mehr Wasser durch die Erde versickern kann.

Ein weiterer Vorteil ist die Biodiversität durch verschiedene Pflanzen und Bodenbeschaffenheiten: Heimische Pflanzen bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere. So entstehen kleine, wertvolle Lebensräume direkt vor der Haustür, die das ökologische Gleichgewicht stärken und sich zusammen mit anderen kleinen Biotopen vernetzen. Auch für das Stadtklima sind solche Gärten entscheidend. Durch Verschattung, Verdunstung (Evapotranspiration) und eine bessere Rückstrahlung von Sonnenlicht (Albedo) kühlen sie ihre Umgebung und wirken Hitzeinseln entgegen – besonders in dicht bebauten Bereichen.

Naturnahe Gärten verbinden also Klimaschutz, Artenschutz und Lebensqualität. Jeder Garten in Bingen kann dazu beitragen, unsere Stadt zukunftsfähiger und angenehmer zu machen.

Warum sind Schottergärten problematisch?

Schottergärten wirken auf den ersten Blick pflegeleicht, doch in der Praxis bringen sie viele Nachteile mit sich. Durch Folien und verdichtete Schichten kann Regenwasser kaum versickern. Somit ist die Grundwasserneubildung gering und die Kanalisation wird bei Starkregen stärker belastet. Auch die Filterleistung des Bodens wird durch die fehlenden Bodenorganismen herabgesetzt und Schadstoffe können leichter ins Grundwasser gelangen.

Vorher-Nachher-Vergleich, Umwandlung eines SchottergartensEin weiterer großer Nachteil ist die fehlende Biodiversität: Zwischen den vielen kleinen Steinen finden Insekten, Vögel und andere Tiere weder Nahrung noch Lebensraum. Schottergärten tragen somit zum Rückgang der Artenvielfalt bei und nehmen wertvolle ökologische Flächen aus dem natürlichen Kreislauf.

Auch für das Stadtklima sind sie ungünstig. Steine speichern Wärme und geben sie nur langsam in der Nacht wieder ab, das verstärkt Hitzeinseln, besonders im Sommer. Es fehlen Verschattung und Verdunstung, die natürliche Abkühlung bringen.

Hinzu kommt: Schottergärten sind oft teurer in der Anschaffung und pflegeintensiver als gedacht. Zwischen den Steinen siedeln sich schnell Unkräuter an, die regelmäßig entfernt werden müssen.

Schottergärten bieten also weder ökologische noch klimatische Vorteile. Naturnahe Grünflächen sind eine deutlich bessere nachhaltige Alternative und können durchaus pflegeleicht angelegt werden. Somit entsteht ein angenehmes Wohnumfeld. Zudem müssen nach §10 (4) LBauO freie Flächen auf bebauten Grundstücken begrünt werden, sofern sie nicht für eine erlaubte Nutzung benötigt werden.

Auszeichnung für einen entsiegelten und naturnah begrünten Garten

Eine Auszeichnung in Form eines Schildes erhalten diejenigen, die eine Förderung zur Flächenentsiegelung in Anspruch genommen haben. Sie dient als Zertifikat und fördert die Informationsverbreitung über Schottergärten, naturnahe Gärten und Förderprogrammen.

Wichtige Punkte der Förderrichtlinie:

  • Mindestgesamtfläche 10 qm (muss nicht zusammenhängend sein)
  • Förderung kann von Besitzern, Mietern (mit Zustimmung des Vermieters), Vereine, kleinen und mittelständischen Unternehmen beansprucht werden
  • Maßnahmen dürfen erst beauftragt und durchgeführt werden, wenn die Förderung bewilligt wurde

Dokumente & Links

Förderprogramm mit Förderrichtlinie, Anträgen und Informationen

Bauanleitungen mit Material- und Pflanzenvorschlägen
Wildstaudenbeet für kleinen Raum anlegen

Schottergarten in einen wertvollen Lebensraum umgestalten

Anlegen eines schattigen Wildstaudenbeetes

Anlegen eines sonnigen Wildstaudenbeetes

Naturnah und pflegeleicht: Ideen für Vorgärten

Gartenakademie Gartengestaltung: Verschiedenste Gartenvarianten

Übersicht der Förderprogramme; Bingen pflanzt …

Die Stadt Bingen ist sehr aktiv bei der Förderung von Biodiversität und Klimaanpassung. Daher gibt es unter anderem Förderungen für Entsiegelungen und Fassadenbegrünungen.

Übersicht allgemeine Fördermöglichkeiten

Erstellt von Carina Börger, Lena Eggebrecht, Stefanie Weinert, Kilian Grubek, Ingmar Dorrinck
Kooperation von Bingen am Rhein und Technische Hochschule Bingen

Quellen:
Ex-Schottergarten und Vorher-Nachher Vergleich, Umwandlung eines Schottergartens