„Wettbewerb als Vergabeinstrument“
03.09.2026
Mitarbeitende der Stadtverwaltung referieren auf dem
rheinland-pfälzischen Vergabetag
Beim 28. Vergabetag Rheinland-Pfalz am 9. September 2026 in Nieder-Olm stellt die
Stadtverwaltung Bingen am Rhein ein aktuelles Projekt aus der eigenen Praxis vor:
das Familienzentrum Josef Metzroth in Bingen-Bingerbrück. Für die Stadt sprechen
Christine Kreis (Bauamt) und Soner Diken (Amt für Gebäudewirtschaft), gemeinsam
mit Christopher Unger vom Architekturbüro Studiobornheim Unger Ritter Architekten,
das die Planung des Familienzentrums verantwortet hat. Der Vergabetag Rheinland-
Pfalz ist eine gemeinsame Veranstaltung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz,
der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, des Gemeinde- und Städtebundes sowie des
Landkreistages Rheinland-Pfalz und widmet sich der Praxis des öffentlichen Vergaberechts.
Erfahrung aus zahlreichen Projekten
Bevor das Familienzentrum im Mittelpunkt steht, geben die Referierenden einen
Überblick über die Verwaltungspraxis bei der Vergabe von Planungsleistungen in
Bingen. In den vergangenen Jahren hat die Stadt mehrere größere Bauprojekte über
Planungswettbewerbe und vergleichbare Verfahren realisiert oder auf den Weg gebracht
– darunter die Mehrzweckhalle Kempten, der Rathausplatz Büdesheim, der
Venarey-les Laumes-Platz, die Konzeptvergabe Franz-Burkard-Straße sowie aktuell
die Neuausrichtung des Verwaltungsstandortes Mainzer Straße und das Umfeld der
Burg Klopp. Über diese Projekte konnte die Verwaltung Erfahrung im Bereich Wettbewerb
und Vergabe aufbauen und entsprechende Verfahren als festen Bestandteil
ihrer Planungspraxis etablieren.
Praxisbeispiel Familienzentrum Josef Metzroth
Ausgangspunkt für das Familienzentrum war die Aufnahme des Stadtteils Bingen-
Bingerbrück in die Förderkulisse „Soziale Stadt“. Im Zuge vorbereitender Untersuchungen
zeigte sich dort ein erhöhter Unterstützungsbedarf für Familien in schwierigen
sozialen Lagen, während die bestehenden Kindertagesstätten baulich veraltet
waren. Daraus entstand die Idee, unter dem Leitgedanken „Alles unter einem Dach“
eine neue Einrichtung zu schaffen, die eine sechsgruppige Kindertagesstätte für bis
zu 120 Kinder mit einem Familienzentrum für Beratung, Bildung und Begegnung verbindet.
Die Bauaufgabe war anspruchsvoll: Auf einem relativ kleinen Grundstück in der Hildegardisstraße
mit einem Höhenunterschied von rund neun Metern sollte ein umfangreiches
Raumprogramm städtebaulich und freiraumplanerisch überzeugend umgesetzt
werden. Die Stadt entschied sich daher für ein dreistufiges Verfahren aus
Teilnahmewettbewerb, nicht offenem Realisierungswettbewerb nach RPW und abschließendem
VgV-Verhandlungsverfahren. Aus 19 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen ging der Entwurf von Studiobornheim Unger Ritter Architekten
als Sieger hervor und wurde anschließend beauftragt. 2025 wurde die Einrichtung in
Betrieb genommen; ergänzt wird das Gebäude durch ein Kunst-am-Bau-Werk des
Frankfurter Künstlers Anselm Baumann.
Aufwand, der sich auszahlt
Im Resümee ihres Vortrags ziehen die Referierenden eine positive Bilanz: Verfahren
mit integriertem Planungswettbewerb bedeuten einen erheblichen Aufwand an Zeit,
Personal und Mitteln. Die guten Ergebnisse und die hohe bauliche Qualität haben in
Bingen jedoch dazu beigetragen, dass diese Form der Vergabe politisch wie verwaltungsintern
zunehmend Akzeptanz findet. Das Familienzentrum Josef Metzroth gilt
inzwischen als Vorzeigeprojekt – sowohl im Hinblick auf zeitgemäße Quartiers- und
Sozialraumarbeit als auch als anerkannter Beitrag zur Baukultur, der unter anderem
beim diesjährigen Tag der Architektur zu besichtigen war.
Oberbürgermeister Thomas Feser betont hierzu: „Das Familienzentrum Josef Metzroth
zeigt, was möglich ist, wenn man sich die Zeit nimmt, ein Verfahren sorgfältig
aufzusetzen und konsequent durchzuziehen. Ich freue mich, dass unsere Kolleginnen
und Kollegen diese Erfahrungen jetzt auch anderen Kommunen im Land zur
Verfügung stellen.“
Weitere Informationen zum Familienzentrum Josef Metzroth sind unter www.bingen.de/leben/kinder-familien-senioren/familien/familienzentrum abrufbar.