„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“
10.03.2026
Oberbürgermeister Thomas Feser ruft zur Weiterführung der Kurse auf
Nach dem offenen Brief von Oberbürgermeister Thomas Feser an Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt, in dem sich das Binger Stadtoberhaupt für die Fortführung
der Integrationskurse ausgesprochen hatte, unterstützte er am Montagvormittag
auch eine Demonstration, zu der die Volkshochschule Bingen (vhs) sowie Buntes
Bingen eingeladen hatten.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Teilnehmende der Integrationskurse setzen
auf ihrem Weg durch die Binger Innenstadt sowie bei der anschließenden Kundgebung
auf dem Bürgermeister-Neff-Platz ein klares Signal.
Hintergrund der Demonstration sind die geplanten Neuregelungen, die den Zugang
zu Integrationskursen erheblich einschränken sollen. Künftig sollen Geflüchtete aus
der Ukraine, EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie geduldete Asylbewerber – auch solche,
die seit Jahren in Deutschland leben – von den Kursen ausgeschlossen werden.
Dabei hat der Bundestag die Mittel für Integrationskurse für das Jahr 2026 in voller
Höhe von 1,1 Milliarden Euro bewilligt.
„Dies bedeutet, dass ein intaktes System zum Spracherwerb zerstört wird – und das
ohne Not, denn die Mittel für die Integrationskurse wurden vom Bundestag in voller
Höhe von 1,1 Milliarden Euro für 2026 bewilligt“, hob Oberbürgermeister Thomas Feser,
der auch gleichzeitig Vorsitzender der vhs ist, hervor und ergänzt: „Rund 50 Prozent
der Teilnehmenden im Integrationskurs wurden in der Vergangenheit vom Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berechtigt, an den Integrationskursen
teilzunehmen. Da diese große Teilnehmergruppe nun wegbricht, haben in vielen Fällen
auch die verpflichteten Teilnehmenden das Nachsehen, da deren Anzahl für einen
Kursstart dann zu gering ist. Dies gilt insbesondere in einem Flächenland wie
Rheinland-Pfalz. Es werden lange Warteschlangen entstehen, die Integration wird
nicht mehr am Wohnort oder in der Nähe des Wohnorts stattfinden können. Statt in
Bildung und Sprache zu investieren, wird in Zukunft mehr Geld für Fahrtkosten ausgegeben.“
Eine erfolgreiche Bilanz, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf
Die vhs Bingen blickt auf eine beeindruckende Integrationsarbeit zurück: Seit der
Einführung der Integrationskurse mit dem Zuwanderungsgesetz im Jahr 2005 hat sie
262 Integrationskurse durchgeführt. Allein im Jahr 2025 nahmen 701 Menschen an
21 Integrationskursen teil. Hinzu kamen sechs berufsorientierte Sprachkurse sowie
Kurse mit Landesförderung – insgesamt lernten im vergangenen Jahr 1.680 Menschen
an der vhs Bingen Deutsch. Darüber hinaus absolvierten 1.151 Personen einen Einbürgerungstest oder den Test „Leben in Deutschland" – und in sechs Schulen führt die vhs Sprachförderungskurse für Kinder durch. Auch René Nohr, Leiter und Geschäftsführer der vhs Bingen, unterstrich auf der
Kundgebung die Breite des Angebots und die Bedeutung der Integrationskurse als
zentralen Baustein: „Die 262 Integrationskurse seit 2005 sind ja bei weitem noch
nicht alles. Hinzu kommen zahlreiche berufsorientierte Sprachkurse, landesgeförderte
Deutschkurse, Schulabschlusskurse speziell für Menschen mit Migrationsgeschichte,
Sprachförderung in Schulen, Einbürgerungstests und vieles mehr. Es ist
einfach schön zu sehen, wie die sogenannte Sprachkette funktionieren kann: wie
Menschen bei uns einen Integrationskurs machen und die Prüfung bestehen, danach
einen berufsorientierten Sprachkurs B2, anschließend den Schulabschlusskurs zur
Berufsreife – und dann eine Ausbildung beginnen oder mit C1 sogar studieren können,
um das in der Heimat abgebrochene Studium fortzusetzen. Die Integrationskurse
des Bundes sind ein Teil von vielen, aber sie sind der zentrale Baustein am
Anfang der Integration. Wer hier spart, verhindert Integration von Anfang an, weil
viele andere Angebote auf den Integrationskursen aufbauen."
Diese Zahlen machen deutlich, welche Bedeutung die vhs Bingen als regionales Integrationszentrum
weit über die Stadtgrenzen hinaus hat. Die Kundgebung begrüßte
ausdrücklich auch die Vertreterinnen und Vertreter der Kreisvolkshochschule und
des WBZ, die in Ingelheim ebenfalls herausragende Integrationsarbeit leisten.
Weitreichende Folgen für Bingen und die Region
Sollten die Neuregelungen in Kraft treten, würden in Bingen jährlich 500 weitere
Menschen leben, die kein Deutsch sprechen – ohne Zugang zu Kursen, die ihnen
den Weg in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft ebnen könnten. Besonders in einem
Flächenland wie Rheinland-Pfalz drohen lange Wartezeiten, und Integration
würde nicht mehr am Wohnort stattfinden können. Statt in Bildung zu investieren,
müssten künftig höhere Fahrtkosten finanziert werden.
Die Kürzungen treffen aber nicht nur die Teilnehmenden – sie gefährden auch Arbeitsplätze.
An der vhs Bingen sind 23 Lehrkräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt;
zusätzlich unterrichten neun Honorarkräfte im Integrationsbereich, zum Teil
seit über zehn Jahren. Sie alle bangen um ihre Zukunft. Hinzu kommt, dass die vhs
eigens neue Räumlichkeiten angemietet hat, die den hohen Anforderungen des Bundesamts
entsprechen – Räume, die bei Umsetzung der Pläne teilweise leer stehen
würden, während die Mietzahlungen weiterlaufen.
Auch vhs-Kuratoriumsmitglied Amirarsalan Rasoulpour sowie Johannes König (Buntes
Bingen) betonten in ihren Redebeiträgen die Wichtigkeit der Integrationskurse.