Neuanfang als Regio-Klinik

20.08.2026

Das Heilig-Geist-Hospital in Bingen

Stadt und Kreis leisten weitere Zahlungen

In einer gemeinsamen Sitzung haben der Binger Stadtrat und der Kreistag Mainz-
Bingen im Beisein des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministers Clemens Hoch
am gestrigen Mittwochabend die weitere finanzielle Unterstützung für das insolvente
Heilig-Geist-Hospital (HGH) beschlossen. Die Stadt Bingen stellt zusätzlich 1,35 Millionen
Euro, der Landkreis Mainz-Bingen 1,29 Millionen Euro bereit. Damit soll der
Übergang des Krankenhauses in eine sogenannte Regio-Klinik ermöglicht werden.
Das Abstimmungsergebnis war im Stadtrat einstimmig, im Kreistag mehrheitlich.

Rückblick: Die Stadt Bingen und der Landkreis Mainz-Bingen hatten als kommunale
Gesellschafter der Betreibergesellschaft, der HGH gGmbH bei der Insolvenz 2024
beschlossen, bis 2028 15,8 Millionen Euro zur Stabilisierung des Hauses beizutragen
– doch das Geld war bereits im Frühjahr 2026 nahezu aufgebraucht. So wurden am
6. Mai 2026 beide Gremien über eine erneut anstehende Insolvenz des HGH informiert.
Das Verfahren wurde am 1. August eröffnet.

Die Lage war und ist denkbar schlecht. Gespräche mit möglichen Investoren brachten
keine positiven Ergebnisse, weitere Verluste sind aufgelaufen, die Gehälter der
HGH-Mitarbeitenden waren für September nicht mehr gesichert, sodass ohne einen
Beschluss von Stadt und Kreis dem Hospital zum 1. September die Schließung gedroht
hätte.

Regio-Klinik als einzig verbliebene Option
Gesundheitsminister Clemens Hoch bezeichnete das HGH als notwendigen Standort,
der in der Landeskrankenhausplanung verbleiben könne. Eine Regio-Klinik in
Bingen könne demnach alltägliche medizinische Notfälle auffangen. Je nach Konzeptionierung
wären eine internistische Notaufnahme, ein Bettenangebot bis 50 Betten
sowie eine geriatrische Abteilung und eine Palliativ-Station denkbar. Eine 24/7-Notaufnahme
mit Chirurgie, Innerer und Anästhesie ist bei der Krankenhausform einer
Regio-Klinik nicht vorgesehen und müsste daher alleine von den Gesellschaftern finanziert
werden. Dies ist aus Kostengründen nicht haltbar, wie auch der Minister und
der Insolvenzverwalter Jens Lieser verdeutlichten. Eine ambulante chirurgische Ambulanz
ist im angeschlossenen MVZ vorhanden.

Das Land werde den anstehenden Transformationsprozess mit insgesamt 2,5 Millionen
Euro investiv unterstützen, betonte der Minister und appellierte an Stadtrat und
Kreistag, der Regio-Klinik in Bingen eine Chance zu geben – eine Position, die sowohl
von Oberbürgermeister Thomas Feser als auch von Landrat Thomas Barth unterstützt
wurde.

Stimme aus der Verwaltungsspitze
Oberbürgermeister Thomas Feser erklärte zu dem Beschluss: „Uns war klar, dass wir
mit dieser Entscheidung keine ideale, sondern eine notwendige Lösung treffen. Eine
Regio-Klinik bietet dem HGH und den Menschen in Bingen und der Region eine reelle
Perspektive, während eine Schließung unwiederbringliche Folgen für die wohnortnahe
Versorgung gehabt hätte. Diese Chance wollten und mussten wir nutzen.
Auch wenn das Leistungsspektrum reduziert wird, so haben wir doch eine gesicherte
Grundversorgung.“

Die neue Struktur der Regio-Klinik soll zum 1. Januar 2027 wirksam werden.    

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