Freimaurerloge übergibt historisches Archiv an das Binger Stadtarchiv
30.10.2026
Unterlagen dokumentieren mehr als 150 Jahre Binger Geschichte
Die Binger Freimaurerloge ‚Zum Tempel der Freundschaft‘ hat am Mittwoch, 28. Oktober, den Großteil ihres historischen Archivs als Depositum an das Stadtarchiv Bingen übergeben. Oberbürgermeister Thomas Feser nahm die Unterlagen gemeinsam mit der Leiterin des Stadtarchivs, Petra Tabarelli, und Kulturamtsleiter Dr. Matthias Schmandt im Sitzungssaal der Burg Klopp entgegen.
„Mit dem Depositum wird ein wichtiger Teil der Binger Stadtgeschichte dauerhaft gesichert“, betonte Oberbürgermeister Thomas Feser. „Die Unterlagen zeigen, wie eng die Geschichte der Loge mit der Entwicklung unserer Stadt verbunden ist – und sie ermöglichen es, dieses Kapitel künftig noch besser zu erforschen.“
Bei den übergebenen Beständen handelt es sich um fünf Archivkartons, deren Inhalt vorwiegend aus Schriftverkehr der Nachkriegszeit besteht. Darüber hinaus geben die Unterlagen Einblicke in die Geschichte der Loge, ihre Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Mitglieder und ihre Aktivitäten. Auch Protokolle, Korrespondenzen, Satzungen, Einladungen, Zeitungsberichte und Unterlagen zu Ausstellungen gehören zu dem Bestand.
Die Loge „Zum Tempel der Freundschaft“ wurde 1867 konstituiert; ihre Wurzeln reichen bis zu einem bereits 1860 gegründeten freimaurerischen Kränzchen zurück. Die Freimaurer waren über viele Jahrzehnte ein prägender Teil der Binger Stadtgeschichte. Zu ihren Mitgliedern zählten Persönlichkeiten aus Handel, Gewerbe, Bildung und Verwaltung, darunter auch bekannte Binger Familien sowie jüdische Bürger der Stadt. Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten der Loge mehr als 60 Mitglieder an.
Ein einschneidendes Kapitel der Logengeschichte war die Zeit des Nationalsozialismus: Unter dem Druck des NS-Regimes wurde die Loge 1937 zur Zwangsschenkung ihres Logenhauses einschließlich seines Inventars gezwungen. Das Gebäude wurde im Krieg getroffen und brannte aus. Nach dem Krieg entstand das heutige Logenhaus, weiter zurückversetzt auf dem Grundstück.
Die Übergabe an das Stadtarchiv soll die historische Überlieferung dauerhaft sichern. Ausschlaggebend waren neben fehlenden Lagerkapazitäten insbesondere die professionelle Aufbewahrung sowie die Möglichkeit, die Dokumente künftig – unter den Bedingungen eines Depositums – für die öffentliche Forschung und interessierte Archivbesucherinnen und -besucher zugänglich zu machen. Die Unterlagen bleiben dabei Eigentum der Freimaurerloge.
Heute zählt die Binger Loge 25 Mitglieder im Alter von 30 bis 82 Jahren, mit leicht steigender Tendenz. In ihr sind Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen vertreten – vom Handwerker und Reitlehrer über Rechtsanwälte bis hin zum Manager. Die Mitglieder treffen sich wöchentlich; alle sechs Wochen finden Gästeabende statt, die allen Interessierten offenstehen. Ergänzt wird das Programm unter anderem durch Arbeitsabende, Kerzengespräche und musische Abende.
Zentrale Werte der Loge sind eine gute Diskussionskultur, aufmerksames Zuhören und die Toleranz gegenüber individuellen Ansichten. Seit 33 Jahren sammelt die Binger Loge zudem Spenden für die Musikschule der Volkshochschule Bingen.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die die Unterlagen künftig einsehen möchten, können sich an die Stadtarchivarin Petra Tabarelli (petra.tabarelli@bingen.de; Telefon 06721 184-354) wenden.