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November 2015

Als wir hinter dem beblümten tore
Endlich nur das eigne hauchen spürten
Warden uns erdachte seligkeiten?
Ich erinnere dass wie schwache rohre
Beide stumm zu beben wir begannen
Wenn wir leis nur an uns rührten
Und das unsre augen rannen −
So verbliebest du mir lang zu seiten.

Stefan George: Die Bücher der Hirten- und Preisgedichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten. Sämtliche Werke in 18 Bänden. Hg. von der Stefan George Stiftung. Bearbeitet von Georg Peter Landmann und Ute Oelmann, Stuttgart 1982ff., Bd. III, S. 88.


Ein Liebesgedicht! Hier spricht ein Liebender ein geliebtes Du an, Erinnerung an die Erfüllung erotischen Begehrens wird Sprache und so Mitteilung an das im letzten Vers genannte geliebte Du.

Doch steht dieses titellose Gedicht nicht allein, es ist das elfte von fünfzehn Texten eines Zyklus, den Ida Coblenz Ende Dezember 1894 als „Semiramislieder“ bezeichnete und als ihr zugehörig empfand. Die kurzen, meist sieben oder acht Verse umfassenden Gedichte (allein die Schlussgedichte zählen 14 und 12 Verse) entwerfen eine orientalische Szenerie, in der erste Begegnung, steigendes Begehren, Erfüllung und Abschied zweier Liebender meist als gegenwärtiges Geschehen lebendig und für den Lesenden erfahrbar werden.

Das obige elfte Gedicht unterscheidet sich von allen anderen, weil hier nach dem Liebesvollzug das Erinnern und damit die Trennung beginnt; allein das Erinnern ist Gegenwart, Erregung und Intimität sind Vergangenheit:

  • Beide stumm zu beben wir begannen
  • Wenn wir leis nur an uns rührten

Ein leicht verständliches Gedicht, ein im klangvollen Hervorrufen des Erlebten sehr sinnliches Gedicht, das dennoch ein überraschendes Fragezeichen aufweist, welches das Erlebte, die Verwirklichung „erdachte[r] seligkeiten ?“ ins Reich des Traumes versetzen kann.

Arnold Schönberg hat 1908/09 diesen Zyklus aus den ‚Hängenden Gärten‘ vertont, an ihm eine neue musikalische Sprache entwickelt und erprobt, an Gedichten, deren neue Form und Sprache ihn faszinierte. Wort und Musik sind hier in meisterlicher und bis dahin unerhörter Weise eins geworden.

Ute Oelmann