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November 2014

TAG-GESANG

III

An dem wasser das uns fern klagt
Wo die pappel sich lind wiegt
Sizt ein vogel der uns gern fragt
Der im laube sich dem wind schmiegt.

Und der vogel spielt leis auf:
Flur und garten sind vom blühn tot
Jedes weiss sich schön im kreislauf ..
Sieh die gipfel vor dir glühn rot!

Nur erinnrung lässt als traumsold
Der zu glücklichern seinen zug lenkt
Seiner hand entrieselt traumgold
Das er früh und nur im flug schenkt.

Heb das haupt das sich bang neigt
Ob aus tiefen ein gesicht winkt -
Und so warte bis mein sang schweigt
Und so bleibe bis das licht sinkt. (SW V, S. 81)

Quelle: Stefan George: Sämtliche Werke. Bd.V: Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod mit einem Vorspiel, Stuttgart 1984, S. 81.


Das Gedicht steht als drittes unter dem Titel „Tag-Gesang“. Lied der Dämmerung und des Herbstes zugleich, leitet es über zu den folgenden drei „Nacht-Gesängen“. Es ist ein Gedicht in der Schwebe, zwischen Sang und Schweigen, Klage und Frage, tot und rot, Leben und Traum.

Die aufgerufenen Elemente einer Landschaft , alle im Singular stehend („wasser“, „pappel“, „vogel“, „laub“,“Flur“, „garten“), intensiv durch Vokalklänge verwoben, wiegen uns lesend in die Verse ein; diese schmiegen uns ein in ihren ungewöhnlichen Rhythmus, endet doch jeder Vers, seinem alternierenden Metrum entgegen, mit zwei schweren einsilbigen Wörtern: „fern klagt“, „lind wiegt“, „blühn tot“, „glühn rot“. „Erinnrung“ steht am Übergang des Tages in die Nacht und mit ihr auch das tröstliche Wissen um den „kreislauf“ der Natur, deren Teil wir sind.

(Ute Oelmann)