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März 2015

An baches ranft
Die einzigen frühen
Die hasel blühen.
Ein vogel pfeift
In kühler au.
Ein leuchten streift
Erwärmt uns sanft
Und zuckt und bleicht.
Das feld ist brach∙
Der baum noch grau ..
Blumen streut vielleicht
Der lenz uns nach.

Stefan George: Der Siebente Ring. Sämtliche Werke in 18 Bänden. Hg. von der Stefan George Stiftung. Bearbeitet von Georg Peter Landmann und Ute Oelmann, Stuttgart 1982ff., Bd. VI/VII, S. 138.


Kann man ein Gedicht lieben, in dessen erstem Vers ein heute weitgehend unbekanntes Wort steht: „ranft“? Ich kann: weil man das Wort nicht im Duden nachschlagen muss, seine Bedeutung das Gedicht selbst vermittelt und weil man sich den Klängen dieses kühlen, aber leuchtenden Vorfrühlingsgedichtes, dem verschlungenen Reigen der Reime (abbcdcaefdef), die keinem vorgegebenen Schema entsprechen, und den auslautenden Pfeiftönen (Vers 4: „pfeift“) der ‚ft‘-Konsonanten, ergänzt durch die harten winterlichen ‚ch‘- und ‚cht‘-Laute, über-lassen kann. In diesem überaus einfachen und zugleich so kunstvollen „Lied“ findet sich ein einziger klingender weiblicher Paarreim: „frühen“ / „blühen“, mit ihm ist uns der Frühling, der „lenz“ des letzten Verses, verheißen und damit jene „Blumen“, denen der Dichter ein „viel-leicht“ nachschickt, als ob die Zeichen des Beginnens, die „einzigen“ weit und breit, nicht unbedingt verlässlich wären. Wissen wir Menschen doch, dass auf jeden Winter ein Frühling folgt.

Das Gedicht ist das dritte eines sechsteiligen Liederzyklus, den George 1907 im ‚Siebenten Ring‘, niemals aber zuvor in den ‚Blättern für die Kunst‘ veröffentlichte, von dem wir keine handschriftliche Überlieferung kennen, den wir nicht datieren können. Formal schließt er an eines jener berühmten Lieder aus dem ‚Buch der Hängenden Gärten‘ an, die 1894/95 Ida Coblenz als ihr zugehörig verstand: „Sprich nicht immer / Von dem laub / Windes raub / [...]“ (Bd. III, S. 89).

(Ute Oelmann)