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Juli 2014


Stefan George

Der hügel wo wir wandeln liegt im schatten

Indes der drüben noch im lichte webt
Der mond auf seinen zarten grünen matten
Nur erst als kleine weisse wolke schwebt.

Die strassen weithin-deutend werden blasser
Den wandrern bietet ein gelispel halt
Ist es vom berg ein unsichtbares wasser
Ist es ein vogel der sein schlaflied lallt?

Der dunkelfalter zwei die sich verfrühten
Verfolgen sich von halm zu halm im scherz
Der rain bereitet aus gesträuch und blüten
Den duft des abends für gedämpften schmerz.

Stefan George: Das Jahr der Seele. Sämtliche Werke in 18 Bänden. Hg. von der Stefan George Stiftung. Bearbeitet von Georg Peter Landmann und Ute Oelmann, Stuttgart 1982ff., Bd. IV, S. 107.


Ein melancholisches Sommergedicht, ein brillantes Beispiel für die Magie der Bilder und Klänge, mit denen George in den 1890er Jahren seine Leser und Hörer verführt. Niedergeschrieben wurde das Gedicht vermutlich 1895. Erlebnishintergrund mag die unglückliche Liebe zu Ida Coblenz, mögen gemeinsame Spaziergänge an Rhein oder Nahe gewesen sein, von denen sich das Gedicht aber ganz gelöst hat. So können Leser auch heute noch in dieses „wir“ mit eintreten, das Gedicht lesend nachvollziehen: schauend, hörend, riechend und vielleicht gar mit den Nachtschmetterlingen tanzend. Schließlich nahm George 1897 das Gedicht in den Zyklus ‚Traurige Tänze‘ auf und veröffentlichte es im berühmtesten seiner Gedichtbände, im ‚Jahr der Seele‘.
(Ute Oelmann)