Museum am Strom

Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

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Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

Museum am Strom

Binger Traktat von 1621

Ein „bisschen Frieden“ im großen Krieg

Der Binger Traktat von 1621Der 30jährige Krieg war eine der schlimmsten Epochen der deutschen Geschichte – eine schier endlose Folge von Zerstörung und Verwüstung, der die Bevölkerung ganzer Landstriche weithin zum Opfer fiel. Erst der Westfälische Friede von 1648 machte dem jahrzehntelangen Horror ein Ende. Münster und Osnabrück, die Orte, an denen der Friede ausverhandelt und geschlossen wurde, nennen sich daher bis heute gerne „Friedensstädte“. Doch es gab auch zuvor schon Friedensverträge, die – wenn sie denn eingehalten worden wären - dem sinnlosen Morden viel früher ein Ende bereitet hätten. Erstmals war dies immerhin schon drei Jahre nach dem Ausbruch der Gewalt der Fall. Der Ort dieser verheißungsvollen, wenn auch letztlich erfolglosen Vereinbarung: Bingen am Rhein.

„Geschehen und geben zu Bingen den 26. Martij / 5. Aprilis 1621“ – so heißt es in dem Friedensvertrag zwischen „dem Durchleuchtigsten Hochgebornen“ kaiserlichen General Ambrosius Spinola und der Protestantischen Union. Überall sollte man erfahren, dass jetzt der Krieg zu Ende sei - deshalb wurde die gute Nachricht auch als Flugschrift verbreitet. Das war damals, ein halbes Jahrtausend vor dem Internet-Zeitalter, das schnellste und billigste Massenmedium. Ein Original-Exemplar dieser Flugschrift ist heute im Museum am Strom zu sehen.

Der Zündfunke des großen Krieges war 1618 der berühmte Fenstersturz von Prag. Zum Flächenbrand konnte der Konflikt jedoch nur werden, weil konfessionelle Differenzen überall das Feuer nährten. 1620 griffen die Flammen auf pfälzisches Gebiet über, nachdem Kurfürst Friedrich V. sich zum Anführer der protestantischen Sache in Böhmen erhoben hatte. Kaiserliche Truppen unter General Spinola standen schon bei Mainz und Worms. Bingen war von den Kriegshandlungen noch verschont geblieben, obwohl die Stadt direkt an kurpfälzisches Gebiet grenzte. Gerade diese Lage ließ Bingen aber auch zur ersten „Friedensstadt“ des 30jährigen Krieges werden. Der hier beendeten ersten Phase des „böhmisch-pfälzischen Konfliktes“, wie die Historiker die Kriegsjahre bis 1623 nennen, folgte jedoch eine zweite, dann kam der „dänisch-niedersächsische Konflikt“ (1623-29). Und mit Kriegseintritt des schwedischen Königs Gustav Adolf 1630 kehrten die Verheerungen auch mit voller Wucht in unsere Region zurück. Nur ein Jahr später wurde bekanntlich das Hildegardkloster am Rupertsberg durch schwedische Truppen zerstört. Nicht einmal in Kalenderfragen waren sich Evangelische und Katholiken damals einig: So resultiert die seltsame Datumszeile des Binger Friedens (26. März bzw. 5. April) aus dem Umstand, dass die Papstkirche 1582 eine Kalenderreform vollzogen hatte. In vielen protestantischen Ländern datierte man aber noch immer nach dem alten römischen (julianischen) Kalender, der den astronomischen Grundlagen der Zeitrechnung inzwischen um fast zwei Wochen hinterher hinkte...