Museum am Strom

Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

Museum am Strom

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Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen

Museum am Strom

Giuseppe Caletti "Heiliger Rochus" (1660)

Aus der Bauzeit der ersten Rochuskapelle

RochusansichtSommer 1666: In Bingen grassierte die Pest. Die Basilika war zum Hospital umfunktioniert worden, um die zahlreichen Kranken notdürftig zu versorgen. Doch die Infizierten starben, am ganzen Körper entstellt durch Pestbeulen und Geschwüre, meist bereits nach kurzer Zeit. Schon weigerten sich die Totengräber, die ansteckenden Opfer zu bestatten. Und die Landesherren der Dörfer in Bingens Umgebung untersagten ihren Untertanen bei strenger Strafe, die Stadt überhaupt nur zu betreten. Handel und Wandel lagen darnieder. Die schreckliche Seuche schien mit menschlichen Mitteln alleine nicht mehr zu besiegen. Daher gelobten die Stadtväter endlich den Bau einer Kapelle und eine Prozession zu Ehren des heiligen Rochus – ein Gelübde, das in Bingen bekanntlich bis in die Gegenwart hinein ernst genommen wird. 

Wie man sich den Pestheiligen damals, in der Mitte des 17. Jahrhundert, als die Binger Rochuswallfahrt entstand, vorstellte, lässt sich im Museum am Strom nachvollziehen: Eine wertvolle Neuerwerbung des Freundeskreises für das Museum zeigt den hl. Rochus mit Pilgerstab und -hut niederkniend vor einer himmlischen Offenbarung. Ganz auf göttlichen Beistand war er, der so viele Pestkranke selbstlos gepflegt hatte, nun angewiesen, da er selbst infiziert war und kein Mensch ihm helfen wollte. Das entblößte Knie zeigt die Geschwüre des Ausgestoßenen; die Stadt im Bildhintergrund bleibt ihm verschlossen. Nur ein Hund versorgt den kranken Rochus in der Wildnis mit Brot… Der nur noch selten am Kunstmarkt angebotene, aber im 17. Jahrhundert recht bekannte und verbreitete Kupferstich von Guiseppe Caletti (um 1600 – um 1660) zählt zu den bedeutendsten Arbeiten des Künstlers aus Cremona. Sie entstand in einer Zeit, als die Verehrung des hl. Rochus als Pestheiliger und Nothelfer in ganz Europa ihren Höhepunkt erreicht hatte. Und tatsächlich schien sich die Berufung auf den tapferen Heiligen damals auch auszuzahlen: Am 13. September 1666 konnte in den Binger Stadtratsprotokollen notiert werden, dass nunmehr – „dem Allerhöchsten sei Dank“ – die Pest endlich im Abnehmen begriffen sei.