2009
9. August 2009 bis 31. März 2010
Der Rhein im Spiel – Von der Gründerzeit zur Gegenwart
„Beim Abholen bitte Ausweis verlangen…“: Natürlich waren in den vergangenen 100 Jahren nicht alle Spiele, die den Rhein und seine Nebenflüsse zum Thema hatten, politisch so brisant wie das „Ruhr-Spiel“ von 1923, das sich offen gegen die französische Besatzungsmacht richtete und deshalb nur an vertrauenswürdige Käufer abgegeben werden durfte. Aber dennoch gilt: Viel Zeitgeist steckt in jedem der zahlreichen Reise-, Brett-, Quartett-, Domino- und Lotto-Spiele vom Rhein, die vor allem in der Zeit um 1900 sehr populär waren und manchmal sogar noch heute neu auf dem Markt erscheinen. Egal ob Reisegeschichte, Rheinklischees oder große Politik - die Spiele verkörpern Vergangenheit auf unterhaltsame Weise und in wunderschöner Gestaltung zugleich.
Spielerisch und interaktiv präsentiert die neue Sonderausstellung im Museum am Strom einen Großteil der mehr als 100 historischen Rheinspiele in Museumsbesitz. Viel Freude am Betrachten versprechen die großen und kleinen Spiele-Raritäten mit ihren oft prachtvoll bedruckten Titelbildern und liebevoll bemalten Zinnfiguren. Unter dem Motto „Wer spielt mit?“ sind junge und ältere Museumsbesucher außerdem herzlich eingeladen, an Mitmachstationen und auf dem riesigen begehbaren Rheinspiel einzutauchen in die virtuelle Welt historischer Reisespiele - und dabei so ganz nebenher auch Wissenswertes vom Rhein und seiner Darstellung im Medium Spiel zu erfahren…
19. April bis 21. Juni 2009
„Childe Harold´s Pilgerfahrt - Ein Reisebericht" - Fotografien von Stefan Simon

Fotografie von Stefan Simon
Quelle: Stefan Simon
Der 1963 geborene Offenbacher Fotokünstler Stefan Simon stellt am 18. April 2009 im Binger Historischen Museum am Strom der Öffentlichkeit sein aktuelles künstlerisches Projekt "Turner on tour (Turner auf Reisen)" vor.
Auf den Spuren des großen englischen Malers der Romantik in Europa wandernd und reisend, möchte Stefan Simon zeigen, wie man Europa im 21. Jahrhundert trotz zivilisatorischer Veränderungen immer noch mit den Augen William Turners sehen kann. Ein Teil dieses umfangreicher angelegten Projektes stellt den mittleren Rhein dar; Orte und Landschaften am Fluss, die Turner zwischen 1817 und 1844 wiederholt besucht hat oder zumindest gesehen haben könnte. Der Fotograf lichtet nicht einfach Orte ab, die Turner einst gemalt hat, sondern es geht ihm um den Prozess der subjektiven Wahrnehmung und er bezieht sich auf das umfangreiche Aquarellwerk Turners. Analog zu Turner stellt auch Stefan Simon seinen Farbfotos Zitate aus Byrons Childe Harold gegenüber; daher auch der Titel der aktuellen Ausstellung: Childe Harolds Pilgerfahrt - ein Reisebericht.
Bei seiner künstlerischen Arbeit geht es Stefan Simon stets um eine europäische Dimension: Im Zeitalter der europäischen Integration und der Globalisierung braucht das "Haus Europa" nicht nur ein ökonomisches Fundament, sondern vor allem ein kulturelles. Deshalb möchte er das Verbindende der europäischen Nationen aus ihrer Geschichte heraus
sichtbar machen. Das Motiv der Reise von Rom an den Mittelrhein in der Ausstellung stellt so den Rhein in eine Reihe mit den großen europäischen Kulturzentren und macht das Verbindende der europäischen Kultur aus der Vergangenheit heraus sichtbar. Damit ist die Ausstellung zugleich künstlerische Auseinandersetzung und Appell eine gemeinsame europäische Identität im 21. Jahrhundert zu schaffen; eine Identität, die sich ihrer Herkunft gewiss ist.
Stefan Simon ist durch ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Frankfurt am Main über die Beschäftigung mit wissenschaftlicher Fotografie zur künstlerischen Fotografie gekommen. Seit den 1990er Jahren hat sich seine künstlerische Arbeit in eine Richtung entwickelt, die klassische Literatur mit Bildkunst verbindet. In den letzten Jahren hat ihn sein Weg in eine stärker an der Malerei orientierte fotografische Richtung geführt. Stefan Simon fotografiert dabei ausschließlich mit Kleinbild-Sucherkameras auf Film. Die Negative werden dann von ihm gescannt, digital bearbeitet und gedruckt.
2008
1. Juli 2008 – 31. Januar 2009
„Stadtleben im Mittelalter: Bingen und das Mittelrheintal (14. – 16. Jahrhundert)"
Sonderausstellung anlässlich der Landesgartenschau Bingen 2008 im Museum am Strom

Modell alter Kran
Quelle: Stadt Bingen
Das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ ist geprägt von mittelalterlichen (Klein-) Städten, deren erhaltene Mauern, Kirchen und Türme bis heute das Bild vom „romantischen Rhein“ bestimmen. Diese allgegenwärtigen Spuren des Mittelalters vor unserer Haustür greift die Ausstellung auf und versucht, das Alltagsleben der Bürger vor 600 Jahren zu vermitteln: Wie sahen die Städte damals aus? Wie wohnten reiche, wie die armen Stadtbewohner? Wer hatte das Sagen und wer musste gehorchen? - Wertvolle Leihgaben aus den großen Museen der Region (Landesmuseum Darmstadt, Landesmuseum Bonn, Dommuseum Mainz), interessante Modelle und grafische Rekonstruktionen lassen die Vergangenheit plastisch werden und geben Antworten auf diese und zahlreiche andere Fragen. Und ganz nebenbei ergeben sich auch ungewohnte Perspektiven auf eine ferne Vergangenheit: So werden die Geheimnisse einer Koblenzer Kloake als Spiegel der Lebenswirklichkeit im 16. Jahrhundert enthüllt, und die Ausstattung einer „guten Stube“ aus Bingen vermittelt überraschende Einblicke in den Lebenswandel eines reichen Geistlichen um 1400…
Der Eintritt in die Ausstellung ist bis zum 19. Oktober nur im Rahmen der Landesgartenschau Bingen 2008 möglich; Sonderregelungen für Schulklassen sind möglich.
Zeitgleich zur Binger Ausstellung zeigt das Landesmuseum Koblenz die Sonderausstellung „Mythos Ritter. Adel & Burgen am Mittelrhein“. Zu den beiden Ausstellungen erscheint ein gemeinsamer Begleitband (herausgegeben von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, dem Landeshauptarchiv Koblenz und dem Museum am Strom).
2007
31. März – 30 Juni 2007
Hannes Schultze-Froitzheim (1904 – 1995): Malerei
Drei Jahre nach der erfolgreichen Präsentation der Wachsbilder Ewald Plattes – „eine Entdeckung der Klassischen Moderne in Bingen“ (Allgemeine Zeitung Feuilleton) - unternimmt das Museum am Strom erneut eine Entdeckungsreise in die Kunst der Moderne. Wieder gilt es, einen Künstler der „verschollen Generation“ vorzustellen, dessen Arbeiten aus vier Jahrzehnten verschiedenste Kunstströmungen und Techniken reflektieren. Vor allem seit den 60er Jahren sind die qualitätvollen Materialkompositionen entstanden, in denen Alltagsmaterialien wie Draht, Plexiglas und Blech verarbeitet wurden. Dabei verleugnet Schultze-Froitzheim, der vor dem 2. Weltkrieg zu den Meisterschülern Heinrich Campendonks an der Düsseldorfer Kunstakademie zählte, jedoch seine künstlerische Herkunft nicht und leistet so einen eigenständigen Beitrag zur Malerei der Moderne. Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Galerie Nicole Netuschil (Wermelskirchen) bietet einen Querschnitt durch das Werk des Künstlers.
18. August bis 16. September 2007
Die Route der Industriekultur Rhein-Ruhr zu Gast in Rhein-Main

Route der Industriekultur
Quelle: Stadt Bingen
Die "große Schwester" der Route der Industriekultur Rhein-Main präsentiert sich im ehemaligen Elektrizitätserk in Bingen am Landesgartenschaugelände mit einer Ausstellung, die auch im Weltkulturerbe Zeiche Zollverein Essen steht.
Neben den großformatigen, aufwändig gestalteten Bildtafeln sind Objekte der Industriegeschichte und des Industriedesigns zu sehen.
11. November 2007 – 23. Februar 2008
175 Jahre Binger Fastnacht
1833 -2008 - Ein Streifzug durch die Geschichte bürgerlicher Fastnachtskultur
Seit 175 Jahren steht Bingen in der fünften Jahreszeit Kopf. Da gab es bis zur Unkenntlichkeit maskierte Narrenscharen, die am Lumpensamstag Bingens Straßen mit lautstarkem Leben erfüllten, und kilometerlange Rosenmontagsumzüge, für deren prachtvoll ausgestattete Wagen die Binger ein Vermögen ausgaben. Närrische „Heerlager“ ließen sogar die Mauern der fastnächtlichen „sturmreifen“ Burg Klopp mit dem Knallen von Sektkorken erbeben. Die Ausstellung im Museum am Strom zeigt die Entwicklung der Binger Fastnachtskultur von 1833 bis heute anhand antiker Fotografien, Kostüme, Masken und einer beeindruckenden Sammlung originaler Orden aus dem Besitz des Binger Karneval Vereines (BKV) und Privatbesitz karnevalbegeisterter Bürger.
Fastnacht war für die Binger Bevölkerung spätestens seit den 1930er Jahren eine Gelegenheit, um sich nach den überstandenen Kriegen zu amüsieren. Karneval war jedoch nicht nur ein heiterer, unbeschwerter Höhepunkt des Jahres, sondern bedeutete für die auf den Fremdenverkehr angewiesene Stadt am Rhein-Nahe-Eck auch eine zusätzliche Attraktion, deren wirtschaftlicher Faktor nicht zu unterschätzen war. Die Ausstellung im Museum am Strom dokumentiert diese Entwicklungen der Binger Fastnachtskultur mit liebevoll zusammengetragenen Erinnerungsstücken, die zum Teil im Brauereikeller Baptist Trautwein die beiden Weltkriege unversehrt überstanden haben.
Ein Foto aus dem Jahr 1903 beispielsweise, auf dem der Elferrat des BKVs im damaligen Trend als Chinesen verkleidet abgebildet ist: Chinesische Tracht, künstlicher Schnurrbart und sogar ein Chinesenzopf, der dem Rosenmontag zum Opfer fiel, wurden detailgetreu nachgebildet.
Ausgewählte Fotografien von dem als „Pankgrafen“ verkleideten Elferrat um 1930 erzählen politisch brisante Geschichten aus dem französisch besetzten Bingen oder auch von der Emanzipation der Binger Frauen, die um 1920 als Amazonenheer verkleidet als erste Frauengarde an der Karnevalssitzung teilgenommen hatte.
Zudem faszinieren noch weitere Einzelstücke der Ausstellung, so auch ein prunkvoller, eigens für den BKV angefertigter Orden aus dem Jahr 1892 sowie eine ironische Glückwunschkarte an den Konkurrenten Mainz.
Begleitpublikation:
„175 Jahre Binger Fastnacht.1833 -2008 - Ein Streifzug durch die Geschichte bürgerlicher Fastnachtskultur“, ISSN 0724-1098 („Binger Geschichtsblätter“, Bd. 24)
2006
4. März – 28. Mai
Jacob Hilsdorf-Kabinett
Gerhart Hauptmann, Graf Zeppelin & Co.: Unter Prominenten war zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Atelier von Jacob Hilsdorf (1872 – 1916) in Bingen eine gefragte Adresse. Denn der verstand es wie kaum ein zweiter, sensible und originelle Porträts anzufertigen, die sich von der konventionellen Atelierfotografie der Zeit deutlich abhoben. Seit dem Jahr 2001 verfügt das Museum über einen eigenen Bestand wichtiger Hilsdorf-Porträts, der in regelmäßigen Abständen dem Publikum präsentiert wird. Die aktuelle Auswahl zeigte einige der schönsten Bilder der Sammlung, darunter auch Neuerwerbungen der vergangenen Jahre.
3. Juni – 10. September
Der Rhein im Panorama. Von den Anfängen bis heute
Vor mehr als 190 Jahren erfunden, erfreuen sich Panoramadarstellungen des Rheins noch immer großer Beliebtheit als Reisebegleiter und Souvenirs. Die oft meterlangen, zum praktischen Gebrauch meist als Leporello gefalteten Bildstreifen bieten dem Betrachter eine virtuelle Flugreise über die spektakuläre Flusslandschaft. Die Ausstellung zeigte die Entwicklung dieses originellen Mediums vom frühen 19. Jahrhundert bis heute anhand von mehr als 40 repräsentativen und originellen Stücken aus Privat- und Museumsbesitz. – Zur Ausstellung erschien ein reich bebildertes Katalogheft.
Presse: „Die Ausstellung bietet […] gleichsam auch das Panorama einer gesamten Epoche.“ (DAMALS online, 06/06)
15. September – 29. Oktober
Hildegard – von Bingen in die Welt
Als Prophetin im späteren Mittelalter über die Rheinlande hinaus bekannt und dann zeitweise beinahe der Vergessenheit anheim gefallen, ist die heilige Hildegard heute der größte weltweite „Exportschlager“ Bingens: Ihr Name ist zur fantasievoll gefüllten „Marke“ geworden. Daneben haben zu allen Zeiten aber auch wissenschaftliche und religiöse Formen der Auseinandersetzung mit Leben und Werk der großen Benediktinerin existiert. Diesen unterschiedlichen Rezeptionssträngen seit den Lebzeiten Hildegards, die sich buchstäblich um die ganze Welt erstrecken, spürt die Ausstellung nach. Im Mittelpunkt der Dokumentation steht der internationale Hildegard-Boom der letzten Jahre – weshalb auch einmal Kuriosa wie der „Hildegard-Brühwürfel“ aus Österreich zu musealen Ehren kommen.
13. November 2006 – 25. März 2007
„Zu Nutzen und Ehre der Stadt…“ – 650 Jahre Stadtrat in Bingen
Am 13. November 1356 gestattete der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau „seinen lieben getreuen Bürgern zu Bingen“ die Selbstverwaltung durch einen Stadtrat. Das Ratsjubiläum bildet für das Museum den Anlass, 650 Jahre Kommunalpolitik Revue passieren zu lassen. Dabei steht nicht die „trockene“ Verfassungsgeschichte im Mittelpunkt, sondern das Alltagsleben der Menschen. Die Ausstellung zeigt, wie die Stadtbürger über Jahrhunderte hinweg die großen und kleinen Probleme des Zusammenlebens in eigener Regie regelten: Wie ging man mit Kriegen und Hungersnöten um, mit den Auswirkungen der Haupt- und Staatsaktionen der großen Politik auf die kleine Stadt? Historische Objekte, Dokumente
„Schauspiel Kommunalpolitik“: und zehn Filme, die von Studierenden der
Das Ratsprotokoll von 1571 als „Drehbuch“ eines Trickfilms Hochschule Darmstadt auf Grundlage von Binger Ratsprotokollen aus fünf Jahrhunderten erstellt wurden, gaben plastische Antworten.
2005
5. März – 5. Juni
Löcher im Kopf –
Ein Streifzug durch die Geschichte der Trepanation
Schon in der Jungsteinzeit konnte man mit einfachsten Mitteln Schädel operieren – und diesen Eingriff sogar überleben. Die Schädeltrepanation zählt zu den ältesten, erfolgreichsten und wichtigsten Methoden der Chirurgie. Diesen „Löchern im Kopf“ war eine Kabinettausstellung im Historischen Museum am Strom gewidmet: Im Mittelpunkt standen die trepanierten Schädel selbst – mit Grabfunden seit der Steinzeit. Die Schau, die 7000 Jahre Trepanationsgeschichte dokumentiert, schließt an die Dauerausstellung des „Binger Ärztebesteck“ aus dem 2. Jh. n. Chr im Museum an: Dieser umfangreichste Fund zur antiken Medizin beinhaltet die einzigen aus römischer Zeit überlieferten Trepanationsinstrumente weltweit.
Presse:
„Heilsame Löcher im Kopf: Die Trepanation war schon Teil der Steinzeit-Medizin […] Das belegen die die Funde aus Steinzeit, Mittelalter und früher Neuzeit, die derzeit im Historischen Museum am Strom in Bingen präsentiert werden.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.05)
18. Juni – 21. August
Die Loreley – Ein Fenster in die Erdgeschichte
In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Geologie an der TU München konnte eine Kabinettausstellung realisiert werden, die den markanten Rheinfelsen als ein „Fenster in die Erdgeschichte“ vorstellt – und so geologische Phänomen in einfachen Experimenten nachvollziehbar macht. So konnten Besucher die Auffaltung des Rheingebirges in einem Modell selbst „in Gang setzen“. Und ein Blick durch’s Mikroskop offenbarte das unerwartet bunte Innenleben des Loreleyfelsens. – Die Ausstellung war bereits als Teil der großen Loreleyausstellung 2004 zu sehen.
4. September – 4. Dezember
Landschaft – Geschichte – Romantik. Aquarelle von Caspar Scheuren (1810 – 1887)
Caspar Scheuren gilt als einer der bedeutendsten rheinischen Maler des 19. Jahrhunderts. Sein umfangreiches Werk, in dem die zahlreichen Aquarelle eine herausragende Stellung einnehmen, führt die Ideen der Romantik zu spätem Glanz: In stimmungsvollen Landschaftsbildern wird das Mittelalter mit seinen Rittern, Burgen und Klöstern als vergangene Idylle inszeniert. Gleich zwei Sammlungen bislang unbekannter Arbeiten Scheurens präsentierte das Museum am Strom in einer Kabinettausstellung: Die vom Museum erworbene ‚Binger Mappe’ enthält 15 Aquarelle aus drei Jahrzehnten bis 1868 und bietet einen faszinierenden Einblick in den Entwicklungsprozess des romantischen Landschaftsmalers. Zum größten Teil aus Privatbesitz stammen elf weitere, ebenfalls erst vor kurzem bekannt gewordene Aquarellle, die Caspar Scheuren als Vorzeichnungen für das seit 1880 veröffentliche Album „Der Rhein. Von den Quellen bis zum Meere“ anfertigte. In der Zusammenschau bietet sich dem Besucher ein exemplarisches Bild vom Werk eines Künstlers, dem die Verklärung von (rheinischer) Geschichtslandschaft ein langes Künstlerleben hindurch Programm war. - Zur Ausstellung erschien ein reich bebildertes Katalogheft.
Presse:
„Das Binger Museum am Strom zeigt wichtige Original-Arbeiten des Künstlers – darunter eine Mappe mit 15 bislang unbekannten Aquarellen.“ (Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 06.09.05)
2004
27. März – 13. Juni
Ewald Platte (1894 – 1985): Wachsbilder

Sonderausstellung Ewald Platte
Quelle: Stadt Bingen
Ewald Platte zählt zu den Vertretern der klassischen Moderne. Seine expressive Bildwelt der Landschaften, Figuren und Köpfe brachte ihm bereits in den Zwanziger Jahren internationale Anerkennung ein. Zeitlebens experimentierte der Künstler mit Farben und Techniken. Nach 1950 entwickelte er eine künstlerische Ausdrucksform, die ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigen sollte: Plattes „Wachsbilder“ sind Farb-Kunstwerke von enormer Leuchtkraft und Intensität.
Presse:
„Eine Entdeckung der Klassischen Moderne: Ewald Platte in Bingen“
(Wiesbadener Tagblatt, Feuilleton, 29. 03. 04)
19. Juni – 1. August
Mary White: Keramik und Kalligraphie
Mary White steht für Kunsthandwerk von europäischem Rang. Ihre Arbeiten verbinden Weltoffenheit in der künstlerischen Konzeption mit höchstem handwerklichen Können. Zahlreiche Ausstellungen in England und auf dem Kontinent zeugen von der Qualität und Aktualität ihrer Keramik und kalligraphischen Arbeiten. Die Binger Schau stellte das Werk der gebürtigen Waliserin, die seit über 25 Jahren in Rheinhessen lebt und arbeitet, in exemplarischen Beispielen vor.
27. August – 31. Oktober
Die Loreley. Ein Fels im Rhein – Ein deutscher Traum
Eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Mittelrhein-Museum Koblenz
Schirmherr: Ministerpräsident Kurt Beck

Sonderausstellung Loreley
Quelle: Stadt Bingen
Die Museen der Städte Koblenz und Bingen als Pforten zum UNESCO-Welterbe „Rheintal“ präsentierten die Loreley und beleuchteten Fels und Sage: Von den geologischen Anfängen über das Mittelalter, vom Frauenbild über den Tourismus, vom Volksglauben im 13. Jahrhundert bis zur politischen Instrumentalisierung während der NS-Zeit.
Im Binger Teil der Ausstellung wurde die „unbekannte“ Loreley vorgestellt, „ein Fels im Rhein“ vor seiner Entdeckung durch die Romantiker. Es ging um Geologie und Erdgeschichte, um Fischerei und frühe Mythen ebenso wie um archäologische Spuren, die steinzeitliche Siedler auf dem Loreleyfelsen hinterlassen haben. Im Mittelpunkt standen künstlerisch inszenierte und verfilmte Originaldokumente vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. die 600 Jahre Loreley-Geschichte Revue passieren ließen.
Presse:
„Exquisite Doppelausstellung“ (Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 28.08.04)
2003
10. Mai – 23. Juni
August Sander (1876 – 1964): Fotografien
Die Ausstellung mit Beständen aus verschiedenen Sammlungen zeigte einen Querschnitt durch das Werk des wohl bedeutendsten deutschen Photographen. Im Mittelpunkt standen Porträts aus dem Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“, das Sander seit den 1920er Jahren als fortografische Bestandsaufnahme der Gesellschaft seiner Zeit konzipiert hatte. Wichtige Beispiele seiner Landschaftsarchitektur, deren große Bedeutung für das imponierende Gesamtwerk des Künstlers erst jüngst entdeckt wurden, ergänzen die Präsentation.
5. Juli – 24. August
Johannes Birkhölzer: Gestochen und Geätzt – Neue Ansichten vom Rhein

Johannes Birkhölzer: Ruine Sooneck, Aquatinta, 2000
Quelle: Stadt Bingen
Johannes Birkhölzer hat für seine „neuen Ansichten vom Rhein“ exakt jene Standorte aufgesucht, die den Künstlern vor mehr als 100 Jahren die Perspektive für romantisch gestimmte Landschaftsbilder boten. Sein Blick ist nüchterner, die Bilder analytisch und assoziativ zugleich: Stets motivisch verdichtet und oft mit historischen und mythischen Bezügen angereichert, verbinden sie Wirklichkeitsdarstellung mit Abstraktion.
Presse:
„[...] präsentiert der renommierte Wuppertaler Grafiker Johannes Birkhölzer im Binger Historischen Museum am Strom 26 Gegenüberstellungen alter und neuer Ansichten vom Rhein. [Birkhölzer bietet] so neue, überraschende Blicke auf eine vermeintlich vertraute Umgebung.“(Wiesbadener Kurier, 28. 6. 03)
12. September – 2. November
Rheingold – Die Währung der Rheinischen Kurfürsten

Sonderausstellung Rheingold
Quelle: Stadt Bingen
Gold, wohin das Auge schaut: Die Ausstellung dokumentierte erstmals die Geschichte des Rheinischen Gulden, der seit etwa 1350 in Bingen und anderen Zoll- und Handelsstädten im Rheintal geprägt wurde und bald europaweit Verbreitung fand. Diese früheste und lange Zeit erfolgreichste Goldwährung Deutschlands galt schon im 15. Jahrhundert als das eigentliche „Ryngolt“...
Die wichtigsten rheinischen Goldmünzschätze und seltene Einzelstücke, Leihgaben aus zehn großen Museen, Archiven und Privatsammlungen, dazu Exponate und Dokumente zur Münzprägung sowie aufwendige grafische Reproduktionen ließen einen Goldgulden, Münzstätte Bingen, 14./15. Jh., bedeutendes Kapitel rheinischer Wirtschaftsgeschichte lebendig werden.
2002
21. Juni – 1. August
Astudin – Rheinromantik im 20. Jahrhundert

Nikolai Astudin: Ruine Ehrenfels, 1911
Quelle: Stadt Bingen
Die Ausstellung erschlss ein bislang noch fast unbeachtetes Kapitel der Rheinbegeisterung: Über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg, von 1902 bis heute, beherrschten die Rheinansichten des russischen Malers Nikolai (von) Astudin (1847 – 1925) die Vorstellung von der romantischen Flußlandschaft. Auf seine Bilder gehen u.a. zahlreiche Postkartenserien zurück, die in ungewöhnlich hohen Auflagen und zahlreichen Auflagen bei verschiedenen Verlagen erschienen. Dabei vermitteln Astudins Bilder keineswegs den klischeehaft ausgelassenen „Rheinwein-Frohsinn“, sondern sie zeigen ein von malerischem Verfall gezeichnete Welt.
14. September – 3. November
Die „romantische“ Hildegard: Verehrung und Kritik im 19. Jahrhundert

Niclas Vogt: Der Traum der Hildegard, 1811
Quelle: Stadt Bingen
Mit der Entdeckung des Mittelalters durch die Romantik setzte eine neue Auseinandersetzung auch mit Hildegard von Bingen ein: Romantische Ansichten von Bingen zeigen die malerischen Überreste des Hildegard-Klosters und kaum ein Rhein-Reiseführer läßt die „rheinische Sybille“ unerwähnt. Doch auch kritische Stimmen werden laut, die Hildegards Visionen als Aberglauben ablehnen.
Die Sonderausstellung ließ berühmte und weniger bekannte Persönlichkeiten in Dokumenten, Objekten, Texten und Bildern selbst zu Wort kommen: den schwärmerisch-religiösen Dichter Clemens Brentano ebenso wie den „aufgeklärten“ Rhein-romantiker Johann Isaac Gerning, für den die Äbtissin nur eine „am Körper und Geiste kranke Heilige“ war.
13. November – 30. Dezember
Von Quacksalbern, Steinschneidern und Chirurgen.
Die Entwicklung der Heilkunst zwischen Renaissance und Barock aus Fachbüchern der Zeit

Hans von Gersdorff: Feldbuch der Wundartzney, Straßburg 1535
Quelle: Stadt Bingen
Die „Heylsame Dreckapotheke“, ein weit verbreitetes medizinisches Hausbuch von 1696, versprach noch die meisten Krankheiten mit Fäkalien zu kurieren. Erst langsam entwickelten sich damals die medizinischen Disziplinen zu ernsthaften Wissenschaften jenseits der Quacksalberei. Diese Umbruchphase in der Geschichte der Medizin war das Thema der Ausstellung, die ein plastisches Bild der Heilkunst vom 15. bis zum 18. Jahrhundert anhand von mehr als 50 aufwendig illustrierten Fachbüchern und grafischen Blättern – darunter Highlights wie die Rembrandt-Radierung „Der Quacksalber“ und das Kräuterbuch des Peter Schöffer von 1484.
Presse:
„Das wertvollste Exponat dieser Ausstellung, für die Pharmafirmen sowie Privatsammler ihre einmaligen Stücke ausliehen, stammt aus dem mittelalterlichen Mainz. Das von Gutenberg-Mitarbeiter Peter Schöffer 1484 gefertigte Kräuterbuch mit bunten Holzschnitten ist das erste deutsche gedruckte Herbarium [...]. Neben informativen Texttafeln erschließt die Katalogbroschüre den mitunter etwas schauerlichen Blick zurück.“ (Allgemeine Zeitung Mainz, Feuilleton, 27. 11. 02)
2001
19. Januar – 22. April:
Prominenz in Bildern – Die Brüder Hilsdorf in der Geschichte der Fotografie

Die Schwestern Hasenclever, 1912
Quelle: Jacob Hilsdorf
Gerhart Hauptmann, Graf Zeppelin & Co.: Unter Prominenten war zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Atelier von Jacob Hilsdorf in Bingen eine gefragte Adresse. Denn der verstand es wie kaum ein zweiter, sensible und originelle Porträts anzufertigen, die sich von der konventionellen Atelierfotografie der Zeit deutlich abhoben. Gemeinsam mit seinem Bruder Theodor, seines Zeichens Hoffotograf in München, zählte Jacob Hilsdorf zu den führenden Lichtbildnern der Jugendstilepoche.
In der Ausstellung mit Beständen aus der Sammlung von Franz Toth wurde das Werk der Brüder im Kontext von 150 Jahren Kunst- und Porträtfotografie vorgestellt und zugleich die Entwicklung der Kamera-Technik im 19. und 20. Jahrhundert anhand historischer Originale dokumentiert.
Presse:
„Jetzt endlich erleben die Brüder Jacob und Theodor Hilsdorf eine Renaissance in Bingen. [...]. Erstmalig wird in dieser Ausstellung der Versuch unternommen, Vorläufer und Nachfolger der Hilsdorf’schen Kunst- und Proträtfotografie zu dokumentieren. [...] Allein zur Eröffnung kamen 130 Interessierte, am Wochenende darauf zum „Tag der offenen Tür“ sogar mehr als 700. Der Katalog zur Ausstellung verkauft sich hervorragend.“ (initiativ. Das Wirtschaftsmagazin Rhein-Nahe 1/2001)
12. Mai – 31. August:
Victor Hugo und das 21. Jahrhundert
Schirmherr: Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
Eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Maison Litteraire de Victor Hugo, Bièvres

Victor Hugo: Das Binger Loch mit Mäuseturm und Ehrenfels, Sepiazeichnung, 1840
Quelle: Stadt Bingen
Das Thema der Ausstellung bildeten die faszinierenden Zukunftsentwürfe im literarischen Werk Victor Hugos. Viele von Hugos Utopien, die den Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts noch allzu kühn erschienen, besitzen heute enorme Aktualität: So forderte er schon auf seiner Rheinreise von 1840, die ihn auch nach Bingen führte, eine Allianz zwischen Deutschland und Frankreich als Basis für die „Vereinigten Staaten von Europa“. Am Rhein war es auch, wo Hugo die Idee einer europäischen Währung entwickelte.
Über 100 Original-Exponate zu Leben und Werk Victor Hugos waren in der Schau erstmals außerhalb von Frankreich zu bewundern – darunter „Trésors Nationaux“, französische Kulturschätze von allerhöchstem Rang.
Presse:
„[...] Und dazwischen die wertvollsten Stücke der Ausstellung: die vom Autor korrigierten Druckfahnen zu „Les Misérables“ sowie das gerahmte Original-Billet mit Hugos letzten, wenige Tage vor seinem Tod 1885 niedergeschriebenen Worten „Aimer c’est Agir“ – „Lieben heißt handeln“. Schönes Fazit einer klugen, dem Besucher allerdings einige (Lese-)Anstrengung abverlangenden Schau.“ (Allgemeine Zeitung Mainz, Feuilleton, 12. Mai 2001)
14. September - 28. Oktober
75 Jahre GEDOK 2001
Die GEDOK (Gemeinschaft der Vereinigung Deutscher und Österreichischer Künstlerinnen) wurde 1926 in Hamburg von der aus Bingen stammenden Ida Dehmel-Coblenz gegründet.
Im Zentrum der Aktivitäten von GEDOK, die sich heute als Interessensgenschaft für Künstlerinnen aller Sparten versteht, stehen regelmäßige Kunst- und Literaturwettbewerbe.
Im Jubiläumsjahr stellten 25 Künstlerinnen neuere Arbeiten im Historischen Museum am Strom vor: neben Malerei und Grafik auch Fotografien, Skulpturen, Objekte, Keramik und Kalligrafie.