Zierkirchenblüte am Kulturufer Bingen

Rochuskapelle

Rochuskapelle
Amsterdam 1663: Die letzte große Beulenpest wütet in der Stadt.
Bingen 1666: Über die europäischen Schifffahrtsverbindungen ist der Erreger von Holland oder über die Messestadt Frankfurt eingeschleppt worden. 1300 Tote beklagt die Bevölkerung. Unter dem Eindruck der großen Not gelobt der Binger Amtmann Baron Frey von Dheren für den Magistrat der Stadt, eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Rochus zu bauen, die schon im Jahr des Versprechens vollendet, aber erst 1677 auf dem Rochusberg eingeweiht werden kann.

Von da an findet der Gottesbau kaum noch Ruhe: 1689 plündern französische Truppen die Kapelle, 1698 Neu-Erweiterung, 1795 geht die Kapelle bei Kämpfen zwischen französischen Revolutionstruppen und deutschen Soldaten in Flammen auf und bleibt zerstört. Als nach der Völkerschlacht zu Leipzig französische Soldaten über Bingen in ihre Heimat zurückdrängen, verbreitet sich Typhus in der Stadt.

Jetzt erinnert man sich der großen Rochusverehrung vergangener Zeit und baut die Kapelle wieder auf. Am 16. August 1814 wird der Rochustag wieder feierlich begangen. Unter den Gästen weilt auch J. W. von Goethe.

1889 schlägt der Blitz ein, kurz bevor eine aufwändige Restaurierung beendet werden kann. Wieder vernichtet das Feuer alles bis auf das Mauerwerk. Auf dem Fundament des einst barocken Baus entsteht nun die dreischiffige spätgotische Kirche mit einem Außenchor, wie wir sie heute kennen. Am Vorabend des Rochusfestes 1895 wird die Kapelle eingeweiht.


Noch heute erfreut sich das Rochusfest großer Beliebtheit - zur Bildergalerie

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