Schiff GERMANIA auf dem Rhein

Hildegard und Bingen

Hildegard von Bingen | Quelle: Stadt Bingen
Hildegard von Bingen
Quelle: Stadt Bingen
In ihrem für mittelalterliche Lebenserwartung langen Leben prägt Hildegard (1098-1179) vor allem drei Lebensorte: den Disibodenberg, den Rupertsberg und Eibingen.
Die fruchtbarsten Jahrzehnte ihres Lebens verbinden sich mit dem Rupertsberg bei Bingen. Zu Recht geht die große Benediktinerin des 12. Jahrhunderts als Hildegard von Bingen durch die Geschichte. Kaiser Friedrich I. gebraucht zum ersten Mal den Namen. Nach der Begegnung mit der furchtlosen Prophetin in der Kaiserpfalz zu Ingelheim 1154 schreibt er ihr einen ehrfurchtsvollen Brief und nennt sie „Frau Hildegard von Bingen". Andere Zeitgenossen beschreiben Hildegard als „Edelstein Bingens" und „Rheinische Sybille".

Als zehntes Kind der Edelfreien Hildebert und Mechthild wurde Hildegard 1098 im rheinhessischen Bettnersheim, dem heutigen Bermersheim, geboren. Schon als Kind macht sie die Erfahrung geheimnisvoller Wahrnehmungen, die sie aber ängstlich verbirgt. Ihre Eltern entschließen sich, ihr zehntes Kind als Zehnten Gott zu weihen und geben Hildegard mit acht Jahren in die Obhut der Jutta von Sponheim, für die ihr Vater, der Graf von Sponheim, im Bereich des Benediktinerklosters Disibodenberg eine Klause hatte errichten lassen. Hier erhält Hildegard Unterricht, und im Umgang mit der Bilderwelt der Bibel entfaltet sich die Kraft ihrer schauenden Theologie. In der zum kleinen Kloster wachsenden Klause auf dem Disibodenberg entsteht ihr erstes Visionswerk „Scivias" - Wisse die Wege.

Hildegardis | Quelle: Stadt Bingen
Hildegardis
Quelle: Stadt Bingen
Diese visionäre Glaubenskunde begründet ihren Ruhm als „Prophetissa teutonica". 1147 bestätigt die Synode in Trier unter Leitung Papst Eugen III. die prophetische Begabung Hildegards. Der Papst fordert sie auf: „Sage und schreibe, was Du siehst und hörst." Nach dem Tode ihrer Lehrmeisterin Jutta 1136 übernimmt Hildegard die Leitung der in das Benediktinerkloster eingebetteten Nonnengemeinschaft.

In der Zeit zwischen 1147 und 1150 verläßt Hildegard mit ihren etwa zwanzig Schwestern das Gastkloster Disibodenberg und errichtet über dem Grab des Binger Heiligen Rupertus ihr erstes eigenes Kloster: Kloster Rupertsberg (Bingen-Bingerbrück). In dem Kloster lebt und wirkt Hildegard bis zu ihrem Tod 1179. Auf dem Rupertsberg entfaltet sich das prophetische Charisma Hildegards. Es entstehen zwei weitere visionäre theologische Werke: "Das Buch der Lebensvergeltung" (Liber vitae meritorum) und „Das Buch der Gotteswerke" (Liber divinorum operum). Hildegard wird neben Bernhard von Clairvaux die wegweisende Autorität des Abendlandes. Ihre Korrespondenz von 300 Briefen gibt davon Zeugnis. Auf dem Rupertsberg entstehen, gespeist aus Erfahrungswissen und tradiertem Wissen, die beiden heilkundlichen Schriften, die „Physica" (Naturkunde) und „Causae et Curae" (Heilkunde).
Hildegards Wissen um die Kraft der Kräuter ist für viele Menschen heute der erste Zugang zu dieser großen Bingerin des 12. Jahrhunderts. Vom Rupertsberg aus unternimmt Hildegard in den Jahren 1158 bis 1170 vier große Predigtreisen, auf denen sie Klerus und Volk zur Umkehr aus der Gottesvergessenheit drängt.

Hildegard Reliquie | Quelle: Stadt Bingen
Hildegard Reliquie
Quelle: Stadt Bingen
Zwei für den Besucher erlebbare Spuren führen in Bingen zurück in ihre Lebenszeit, die Reste ihres Klosters Rupertsberg im heutigen Bingen-Bingerbrück und der Schrein ihres Klosterheiligen Rupertus in der Binger St. Rochuskapelle. Die Hauptreliquien Hildegards ruhen im Schrein der Pfarrkirche zu Eibingen, dem Ort ihres zweiten Klosters. Reliquien werden außerdem in der Pfarrkirche zu Bingerbrück und in der Rochuskapelle aufbewahrt. Hier befindet sich auch das einzige authentische Stück ihres Ordenskleides, nachdem das Hauptstück dieses Kleides beim Brand der Eibinger Kirche 1931 zugrunde ging.

Freie Unterkünfte

Tag
Monat
Jahr
Nächte
Zimmer
Personen


Newsletter